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Samstag, 10. Oktober 2026

Und dann ging ich in den Raum und wusste nicht mehr warum

 


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Und dann ging ich in den Raum und wusste nicht mehr warum.

Du gehst in die Küche und weißt plötzlich nicht mehr, was du dort wolltest. Du suchst nach einem Wort, das dir eigentlich ganz geläufig ist. Du liest eine Nachricht und musst sie noch einmal lesen, weil deine Gedanken schon wieder woanders sind.

Und irgendwann fragst du dich: Was ist denn los mit mir?

Vielleicht schläfst du schlechter als früher. Bist schneller erschöpft, reizbarer oder fühlst dich manchmal wie neben dir. Vielleicht kommen Kopfschmerzen dazu oder dein Körper reagiert plötzlich empfindlicher auf Belastungen, die du früher problemlos weggesteckt hast. Und zugenommen hast du auch noch!

Willkommen in den Wechseljahren? Nicht unbedingt. Aber es könnte damit zusammenhängen.


Was passiert eigentlich in unserem Gehirn?

Die Neurowissenschaftlerin Lisa Mosconi beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen der Wechseljahre auf das weibliche Gehirn. Ihre Forschung zeigt, dass sich in dieser Lebensphase nicht nur der Hormonhaushalt verändert. Auch der Energiestoffwechsel, die Struktur und die Vernetzung bestimmter Hirnregionen können sich verändern.

Östrogen spielt dabei eine wichtige Rolle. Es beeinflusst unter anderem Prozesse, die mit der Energieversorgung des Gehirns zusammenhängen.

Das könnte mit erklären, warum manche Frauen in den Wechseljahren plötzlich Schwierigkeiten mit Konzentration und Gedächtnis erleben oder sich geistig nicht mehr so leistungsfähig fühlen wie gewohnt.

Das bedeutet nicht, dass jede vergessene Einkaufsliste ein Hormonproblem ist. Und es bedeutet auch nicht, dass wir diese Beschwerden einfach hinnehmen müssen.

Es bedeutet vor allem: Wir sollten genauer hinschauen.


Denn es ist selten nur eine Sache

Stell dir vor, du schläfst seit Wochen schlecht. Tagsüber bist du müde, deine Kopfschmerzen nehmen zu und schon kleine Herausforderungen fühlen sich anstrengend an.

Was hilft dir jetzt am meisten? Noch mehr Disziplin? Dich zusammenreißen? Einfach weitermachen?

Wahrscheinlich nicht.

Denn unser Wohlbefinden hängt von vielen Dingen ab, die sich gegenseitig beeinflussen. Hormone, Schlaf, Stress, Schmerzempfinden, Sinnesverarbeitung und Bewegung spielen zusammen.

Schlechter Schlaf kann die Konzentration beeinträchtigen. Anspannung kann es schwerer machen, zur Ruhe zu kommen. Schmerzen beanspruchen Aufmerksamkeit. Und wenn du ohnehin erschöpft bist, kann selbst Bewegung, die dir eigentlich guttun soll, schnell zu viel werden.

Deshalb greift es oft zu kurz, nur an einer einzigen Stellschraube zu drehen.


Was kann ein neurozentrierter Ansatz beitragen?

Entscheidend ist, die verschiedenen Bereiche zusammenzudenken und herauszufinden, was individuell sinnvoll ist.

Der neurozentrierte Ansatz ersetzt dabei weder eine medizinische Abklärung noch eine gegebenenfalls notwendige Behandlung. Er kann aber helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Alltag zu entdecken.


Du musst nicht einfach funktionieren

Die Wechseljahre können sich wie eine Zeit anfühlen, in der der eigene Körper plötzlich andere Regeln aufstellt. Was gestern noch ging, ist heute anstrengend. Und manchmal fehlt einem schlicht die Erklärung dafür.

Du musst nicht jede Veränderung sofort verstehen. Aber du darfst sie ernst nehmen. Du darfst nach Antworten suchen und neue Wege ausprobieren, statt dir ständig vorzuwerfen, nicht mehr so belastbar zu sein wie früher.

Es geht nicht darum, noch mehr aus dir herauszuholen. Es geht darum, besser zu verstehen, was du gerade brauchst.

Genau deshalb wird es im nächsten Kurshalbjahr einen kompakten, erweiterten Kurs zu den Wechseljahren mit neurozentriertem Ansatz in meinem Programm geben.

Wir werden verschiedene Bereiche betrachten – von Wahrnehmung und Bewegung über Regulation bis hin zu Schlaf und Regeneration sowie Gewichtsmanagement. Mit verständlichen Erklärungen und praktischen Möglichkeiten, die sich im Alltag ausprobieren lassen.

Denn manchmal hilft es schon, zu verstehen, warum sich etwas verändert. Und manchmal beginnt genau dort ein neuer Umgang mit sich selbst.

Und falls du das nächste Mal in einen Raum gehst und nicht mehr weißt, warum du eigentlich dort bist: Sei ein bisschen freundlicher zu dir. Du bist schließlich mehr als dieser eine vergessene Gedanke.

Du möchtest erfahren, wann und wo die Kurse stattfinden werden?

Dann komme in meinen kostenlosen WhatsApp-Kanal neuro.entspannt. 

Dort wirst du als Erste informiert! Gerne weitersagen...

Zum Kanal hier klicken!


Donnerstag, 13. August 2026

Wechseljahre und chronische Schmerzen: Gibt es einen Zusammenhang?

 


Viele Frauen stellen in den Wechseljahren fest, dass sich ihre Schmerzen verändern. Gelenke fühlen sich steifer an, Rückenschmerzen nehmen zu, alte Beschwerden melden sich wieder oder plötzlich schmerzt der ganze Körper.

Zufall? Oder gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Wechseljahren und chronischen Schmerzen?

Die Antwort lautet: Ja – es gibt verschiedene Faktoren, die dazu beitragen können.


Hormone beeinflussen weit mehr als den Zyklus

Östrogene wirken nicht nur auf die Fortpflanzungsorgane. Sie beeinflussen unter anderem das Nervensystem, die Schmerzwahrnehmung, den Schlaf, die Muskulatur und das allgemeine Wohlbefinden.

Sinkt der Östrogenspiegel, berichten viele Frauen über:

  • stärkere Gelenk- und Muskelschmerzen

  • schlechteren Schlaf

  • zunehmende Erschöpfung

  • häufigere Kopfschmerzen

  • eine geringere Belastbarkeit

  • eine höhere Schmerzempfindlichkeit

Nicht jede Frau erlebt diese Veränderungen. Wer jedoch bereits unter chronischen Schmerzen leidet, kann die hormonellen Umstellungen besonders deutlich spüren.


Das Nervensystem spielt eine Schlüsselrolle

Schmerzen entstehen nicht ausschließlich im schmerzenden Körperteil. Unser Gehirn bewertet ständig, wie sicher oder belastend eine Situation ist.

Schlechter Schlaf, Hitzewallungen, Stress, hormonelle Veränderungen und anhaltende Erschöpfung können das Nervensystem zusätzlich fordern. Dadurch kann die Schmerzempfindlichkeit steigen.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur einzelne Beschwerden zu betrachten, sondern das Nervensystem als Ganzes.


Warum klassische Ratschläge oft nicht ausreichen

„Entspannen Sie sich mehr.“
„Bewegen Sie sich einfach regelmäßig.“
„Das gehört zum Älterwerden dazu.“

Viele Frauen hören solche Aussagen. Sie können zwar gut gemeint sein, greifen aber häufig zu kurz.

Jedes Nervensystem reagiert unterschiedlich. Deshalb gibt es keine Übung und keine Strategie, die für alle gleichermaßen funktioniert.


Ein neurozentrierter Blick auf die Wechseljahre

Neurozentrierte Strategien setzen dort an, wo Informationen verarbeitet werden: im Nervensystem.

Je nach persönlicher Situation können Übungen aus den Bereichen Sehen, Gleichgewicht, Atmung, Körperwahrnehmung oder Bewegung dazu beitragen, dass sich das Nervensystem sicherer fühlt und Belastungen besser regulieren kann.

Dabei geht es nicht darum, die Wechseljahre "wegzutrainieren". Vielmehr geht es darum, den Körper in dieser besonderen Lebensphase bestmöglich zu unterstützen.


Mein eigener Weg

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd die Wechseljahre sein können – insbesondere, wenn gleichzeitig chronische Beschwerden wie Endometriose oder andere Schmerzen bestehen.

Gerade deshalb ist es mir wichtig, Frauen Wissen und praktische Strategien an die Hand zu geben, die sie direkt in ihren Alltag integrieren können.


Mein Workshop: „Neurozentriert durch die Wechseljahre“

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lade ich dich herzlich zu meinem zweiteiligen Workshop „Neurozentriert durch die Wechseljahre“ ein.

Darin erfährst du unter anderem, welche alltagstauglichen neurozentrierten Übungen sinnvoll sein können.

Alle Termine, Inhalte und den Anmeldelink findest du in meinem aktuellen Kursheft.

Ich freue mich darauf, dich auf deinem Weg durch die Wechseljahre zu begleiten.

Hier zum Kursheft klicken!

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Welt-Menopause-Tag 2025 – Wie neurozentrierte Strategien unterstützen können

 



Am 18. Oktober ist Welt-Menopause-Tag – ein Tag, der darauf aufmerksam machen soll, wie wichtig Unterstützung, Verständnis und Wissen in dieser besonderen Lebensphase sind.

Im Mittelpunkt stehen Gesundheit, Wohlbefinden und die Frage:
Was können wir selbst tun, um Körper und Nervensystem in Balance zu bringen?

Ich möchte diesen Tag nutzen, um auf einen Ansatz aufmerksam zu machen, der oft übersehen wird:
die neurozentrierte Perspektive.


🔥 Hitzewallungen – hier hilft Neuro-Entspannung nicht direkt

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen:
Die typischen Hitzewallungen sind hormonell verursacht.
Das Temperaturzentrum im Gehirn reagiert empfindlicher auf kleinste Schwankungen der Östrogenspiegel – und das führt zu plötzlichen Hitzeattacken.

Hier kann eine neurozentrierte Arbeit nicht direkt eingreifen.
Doch: Stress und emotionale Anspannung verstärken viele Symptome.
Über gezielte Entspannungsreize wie Atemübungen lässt sich das Nervensystem beruhigen – und damit zumindest die Reaktionsstärke der Wallungen etwas abmildern.


🌙 Schlafstörungen – wenn der Körper nicht „runterfährt“

Viele Frauen berichten in dieser Zeit über Ein- oder Durchschlafprobleme.
Hier zeigt sich, wie wirkungsvoll neurozentrierte Strategien sein können.

Schlafprobleme entstehen häufig, wenn das Nervensystem in ständiger Alarmbereitschaft bleibt.
Statt „einfach nur zu entspannen“, kann man gezielt über neuronale Zugänge wirken – etwa:

  • Gleichgewichtsübungen, die den Hirnstamm beruhigen und das Nervensystem regulieren,

  • Neuro-Farbbrillen, die über das visuelle System Signale von Sicherheit senden,

  • oder gezielte Atem- und Körperübungen, die den Parasympathikus aktivieren.

So entsteht nicht nur Ruhe – sondern ein Körperzustand, der Schlaf wieder zulässt.


⚖️ Gewicht und Stoffwechsel – mehr als Hormone

Auch Gewichtsschwankungen gehören für viele Frauen zu den belastendsten Begleiterscheinungen.
Natürlich spielen Hormone und Stoffwechselveränderungen eine Rolle.
Doch es gibt weitere Ebenen, die wir gezielt über das Nervensystem ansprechen können:

  • Der Frontallappen unterstützt bewusstes Essverhalten und Impulskontrolle.

  • Die Insula hilft, Körpersignale wie Hunger und Sättigung besser wahrzunehmen.

  • Der Vagusnerv beeinflusst Verdauung, Entzündungsreaktionen und Stressregulation.

Über neurozentrierte Übungen kann man diese Strukturen aktivieren, um das Körpergefühl zu verbessern, Stress-Essen zu reduzieren und die Stoffwechselbalance zu unterstützen.


💫 Mehr als Entspannung – Regulation

Neuro-Entspannung ist nicht einfach nur „abschalten“.
Sie bedeutet: das Nervensystem regulieren, Reize gezielt nutzen und dadurch Körper und Psyche wieder in Einklang bringen.

In den Wechseljahren geht es genau darum – um Regulation in einer Phase des Umbruchs.
Wer lernt, sein Nervensystem gezielt zu beruhigen und zu aktivieren, kann viele Symptome abfedern und das eigene Wohlbefinden spürbar steigern.


🗓️ Fazit & Einladung

Der Welt-Menopause-Tag erinnert uns daran, dass diese Lebensphase keine Krankheit ist, sondern ein Übergang – körperlich, hormonell und auch neuronell.

Neurozentrierte Strategien können helfen, diesen Übergang stabiler, ruhiger und selbstbestimmter zu gestalten.
Sie bieten Impulse, die Körper und Gehirn neu miteinander verbinden – und das weit über Entspannung hinaus.

👉 In meinem Kurskalender findest du passende Workshops und Kurse, in denen du lernst, dein Nervensystem gezielt zu regulieren – für besseren Schlaf, mehr Energie und innere Ruhe.


Mittwoch, 24. September 2025

Dopamin & Gewichtsmanagement – wie wir unser „Motivationshormon“ klug nutzen können

 


                                                                      erstellt mit KI

Auf Nahrungssuche in der Steinzeit

Stell dir vor, du lebst vor zehntausenden Jahren. Nahrung ist knapp, und jeder Beerenstrauch oder jedes erlegte Tier kann überlebenswichtig sein. Damit wir Menschen uns auf die oft mühsame Suche machen, hat die Natur ein cleveres System eingebaut: Dopamin.
Immer wenn unsere Vorfahren eine Spur gefunden oder Beeren entdeckt haben, wurde Dopamin ausgeschüttet – das berühmte „Motivationshormon“. Es hat sie nicht satt gemacht, aber es hat dafür gesorgt, dass sie dranbleiben und weitersuchen.

Der Unterschied zu heute

Heute müssen wir nicht mehr durch Wälder streifen oder Wildtiere jagen. Der Griff zur Schokolade oder der Gang zum Bäcker ist um ein Vielfaches leichter. Trotzdem reagiert unser Gehirn noch wie in der Steinzeit: Es schüttet Dopamin aus, wenn wir etwas sehen, riechen oder erwarten, das uns Energie verspricht.
Das bedeutet: Schon die Vorfreude auf das Croissant beim Vorbeigehen an der Bäckerei löst einen Dopaminschub aus – noch bevor wir überhaupt hineinbeißen.

Dopamin ist kein Glückshormon

Oft wird Dopamin als „Glückshormon“ bezeichnet. Genau genommen stimmt das aber nicht. Dopamin ist ein Antriebs- und Motivationshormon. Es sorgt dafür, dass wir losgehen, etwas erreichen oder konsumieren wollen. Glücksgefühle entstehen höchstens indirekt – durch die Erwartung oder durch das kurzfristige Belohnungserlebnis.


Der steile Anstieg – und der tiefe Fall

Problematisch wird es, wenn Dopamin wie eine Achterbahn verläuft:

  • Schneller, steiler Anstieg: z. B. beim Blick auf eine verführerische Tafel Schokolade.

  • Drastischer Abfall danach: Das Gehirn will sofort wieder Nachschub.

Die Folge: Wir essen nicht nur ein Stück, sondern oft die ganze Tafel – und fühlen uns danach unbefriedigt oder sogar schlecht.


Ziel: Ein gleichmäßiger Verlauf

Für ein stabiles Gewichtsmanagement ist es günstiger, den Dopaminspiegel ausgeglichener zu halten. So vermeiden wir extreme Hochs und Tiefs, die uns in Dauerschleifen aus Verlangen und Frust treiben.


Zwei Strategien im Alltag


1. Vorfreude vermeiden

Wenn die Dopamin-Welle gar nicht erst ins Rollen kommt, ist die Versuchung deutlich geringer. Das gelingt zum Beispiel durch:

  • Nicht hungrig einkaufen gehen

  • Süßigkeiten nicht zuhause lagern oder aus dem Sichtfeld räumen

  • Wege bewusst so wählen, dass man nicht am Lieblingsbäcker vorbeikommt


2. Vorfreude bewusst nutzen

Dopamin lässt sich auch gezielt als Motivations- und Genussverstärker einsetzen. Besonders wirksam ist es, wenn du das Kochen und Essen selbst zelebrierst:

  • Schon beim Kochen: Zutaten riechen, abschmecken und bewusst wahrnehmen – das sorgt für kleine Dopaminausstöße.

  • Lieblingsmusik währenddessen hören – noch ein kleiner Schub.

  • Tisch schön decken: mit dem besten Geschirr, einer Kerze und das Essen mit frischen Kräutern als optisches Highlight toppen.

  • Die ersten zwei Bissen langsam genießen – danach ist die größte Geschmacksexplosion im Gehirn ohnehin vorbei.

  • Auch beim Mealprep: Essen schön anrichten, nicht nur funktional abfüllen.

  • Zusätzliche Dopamin-Kicks ohne Essen: beim Kochen an den nächsten Urlaub denken, vor dem Essen an einem ätherischen Öl riechen oder einen Spaziergang in der Natur machen.



                                             
erstellt mit KI


Fazit

Dopamin ist kein Problem – es ist ein geniales System, das uns Menschen seit der Steinzeit am Leben hält. Entscheidend ist, wie wir mit diesem Antrieb umgehen. Wer versteht, wie Dopamin wirkt, kann seine Signale im Alltag bewusst lenken – und so Motivation, Genuss und ein gesundes Gewichtsmanagement in Einklang bringen.

Mittwoch, 17. September 2025

Warum sich Bewegung manchmal wie ein „Überfall“ auf den Körper anfühlt

 


                                                                              Canva


Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Fibromyalgie, hormonellen Störungen oder auch unter Medikamenteneinnahme kennen das Gefühl: Schon ein Spaziergang, etwas leichte Gymnastik oder Treppensteigen können dazu führen, dass der ganze Körper sich anfühlt, als wäre er verprügelt worden. Muskeln schmerzen, Gelenke sind steif, die Erschöpfung ist überwältigend. Doch was steckt dahinter – und wie kann man dem begegnen?

Wer ist betroffen – und warum?

Anders als bei gesunden Sportlern geht es hier nicht um „normalen Muskelkater“. Bei Fibromyalgie etwa verarbeitet das Nervensystem Reize überempfindlich – jeder Impuls wird verstärkt. Hormonstörungen wie z. B. in den Wechseljahren  beeinflussen den Schlaf, die Regeneration und die Schmerzschwelle. Auch Medikamente können Stoffwechselprozesse verändern oder Muskeln schwächen, sodass selbst kleine Belastungen übermäßig anstrengend wirken.

Das Ergebnis: Bewegungen, die eigentlich wohltuend sein sollten, lösen ein massives „Überlastungsgefühl“ aus.

Was passiert aus neurozentrierter Sicht?

Das Nervensystem ist die Schaltzentrale, die jede Bewegung bewertet. Bei chronischen Erkrankungen ist es oft dauerhaft gestresst. Schmerz ist dabei nicht gleichbedeutend mit Schaden – er ist in vielen Fällen ein Schutzsignal.

Das Gehirn entscheidet fortlaufend: „Ist diese Belastung sicher?“ Wenn Unsicherheit besteht, schickt es Warnsignale wie Schmerz, Muskelspannung oder Müdigkeit. Auch Sinnes-Systeme wie Augen, Gleichgewicht und Atmung spielen hinein: Sind sie überfordert, steigt das Stresslevel und der Körper reagiert übertrieben stark.

So entsteht der Eindruck, dass schon kleinste Anstrengungen „zu viel“ waren.

Was kann helfen?

Die gute Nachricht: Es gibt Wege, dem Nervensystem nach Bewegung gezielt Sicherheit zu geben und es zu beruhigen. Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um sanfte Signale, die dem Körper vermitteln: „Alles ist in Ordnung.“

Kleine neurozentrierte Übungen nach der Bewegung

Wichtig ist, dass dem Gehirn nach dem Sport über alle Systeme Sicherheit vermittelt wird. Wähle für dich jeweils eine Vagusnerv-Aktivierung, eine Augenübung und eine Gleichgewichtsübung, die du in meinen Kursen postitiv oder neutral getestet hast. Alternativ kannst du die folgenden Übungen durchführen. Mache dann aber unbedingt einen Re-Test. Du solltest keine Übungen machen, die das Unsicherheitsgefühl in deinem Gehirn verstärken!

1. Vagusnerv-Aktivierung: Beruhigende Atmung
Setze dich aufrecht hin, Schultern locker. Atme 4 Sekunden durch die Nase ein, dann 6–8 Sekunden langsam durch den Mund aus – so, als würdest du eine Kerze ganz sanft zum Flackern bringen. Wiederhole 5–10 Atemzüge.
👉 Das verlängerte Ausatmen aktiviert den Parasympathikus, den Ruhemodus.

2. Visuelles System: Sanfte Blickwechsel
Halte den Kopf ruhig und bewege nur die Augen. Schaue 3–5 Mal nach links, dann zurück in die Mitte, danach 3–5 Mal nach rechts. Zum Abschluss sanft blinzeln.
👉 Das entlastet das visuelle System und verbessert die innere Verarbeitung.

3. Gleichgewichts-System: Mini-Balance
Stelle dich auf ein Bein, halte dich bei Bedarf fest. Stehe 10–20 Sekunden, dann wechsle die Seite.
👉 Schon wenige Sekunden fördern das Gleichgewichtssystem und beruhigen das Nervensystem.

4. Schmerzfreie Gelenk-Mobilisation: Gelenkkreise
Bewege eine Schulter oder Hüfte langsam in kleinen Kreisen, immer im schmerzfreien Bereich. 5–10 Wiederholungen genügen.
👉 So bekommt das Gehirn positive Rückmeldungen über sichere Bewegung.

5. Gedanken

Auch deine Gedanken sind ein Informationsgeber für dein Gehirn und spielen bei der Gefahreneinschätzung eine Rolle. Sorge für positive Gedanken während deiner Übungen. Sage innerlich zu dir selbst: "Alle Bewegungen sind gut möglich. Ich bin sicher."

Mini-Routine zum Ausprobieren

  • 1 Minute beruhigende Atmung

  • 30 Sekunden Blickwechsel

  • 1 Minute Balance (rechts/links)

  • 1 Minute Gelenkkreise

In nur 4–5 Minuten kannst du deinem Körper helfen, schneller zu regenerieren und das „verprügelt“-Gefühl zu reduzieren.

Fazit

Wenn du dich nach Bewegung fühlst, als hättest du einen Kampf hinter dir, bedeutet das nicht, dass Bewegung dir schadet. Es ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass dein Nervensystem überfordert war. Mit kleinen neurozentrierten Übungen kannst du ihm Sicherheit geben, Schmerzen abmildern und Schritt für Schritt die positiven Effekte von Bewegung wieder spüren.


Du möchtest mehr tun?

Bei Gelenkbeschwerden und auch speziell für Fibromyalgie biete ich eine 1:1-Online-Schmerzbegleitung an. Den Anmeldelink findest du im Kursheft.

Gerne begleite ich dich weiter in meinem kostenlosen Whats-App-Kanal neuro.entspannt. Hier erwarten dich weitere spannende Hintergründe und praktische Übungen.

Der Star aller Hirnnerven: der Vagusnerv

                                                                                                Canva Du bist erschöpft, aber kannst nicht a...