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Donnerstag, 13. August 2026

Chronische Schulterschmerzen verstehen: Die Rolle von Nervensystem und Gehirn

 



Wenn die Schulter schmerzt, lohnt sich ein Blick über das Gelenk hinaus.

Schulterschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates. Häufig wird zunächst nach der Ursache direkt in der Schulter gesucht: Sehnen, Muskeln, Gelenkstrukturen oder Bewegungseinschränkungen stehen im Mittelpunkt.

Natürlich können diese Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Doch gerade bei chronischen Schulterschmerzen lohnt sich ein zusätzlicher Blick: auf das Nervensystem und darauf, wie das Gehirn die Schulter wahrnimmt und steuert.

Denn Bewegung entsteht nicht nur im Muskel. Jede Bewegung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Gehirn, Nervensystem, Sinnesinformationen und dem Körper.


Die Schulter braucht eine gute Verbindung zum Gehirn

Damit unser Gehirn eine Bewegung präzise steuern kann, benötigt es möglichst genaue Informationen aus dem Körper.

Ein wichtiger Bereich dabei ist die sogenannte Sensorik: Wo befindet sich die Schulter gerade im Raum? Wie fühlt sie sich an? Welche Spannung ist vorhanden? Welche Bewegung ist möglich?

Wenn das Gehirn nicht genau weiß, wo sich ein Körperbereich befindet, kann die Steuerung ungenauer werden. Das kann sich beispielsweise in veränderter Bewegung, erhöhter Spannung oder einer Schutzreaktion des Nervensystems zeigen.

In der neurozentrierten Arbeit geht es deshalb unter anderem darum, die Verbindung zwischen Gehirn und Schulter wieder besser anzusprechen.


Welche Systeme können dabei eine Rolle spielen?

Bei Schulterschmerzen können verschiedene Bereiche des Nervensystems betrachtet werden:


Die Sensorik

Über gezielte Übungen wird überprüft, wie das Gehirn auf unterschiedliche Reize reagiert. Dabei geht es nicht darum, eine Übung einfach möglichst oft durchzuführen, sondern herauszufinden:

Verändert sich die Wahrnehmung oder Bewegung positiv?

Eine Übung sollte nur dann regelmäßig eingesetzt werden, wenn das Nervensystem darauf positiv reagiert.


Das visuelle System

Unsere Augen beeinflussen nicht nur das Sehen, sondern auch Orientierung, Haltung und Bewegung. Das visuelle System liefert dem Gehirn wichtige Informationen darüber, wie wir uns im Raum bewegen.

Deshalb können bestimmte visuelle Reize auch bei Schulterbeschwerden relevant sein.


Die Atmung

Die Atmung steht in enger Verbindung mit dem Nervensystem. Atemmuster können Einfluss auf Spannung, Körperwahrnehmung und Regulation nehmen.

Gerade bei chronischen Beschwerden kann es sinnvoll sein, das gesamte Regulationssystem des Körpers mit einzubeziehen.


Der Kortex – die Bewegungssteuerung im Gehirn

Im Gehirn gibt es Bereiche, die für die Planung und Steuerung von Bewegung zuständig sind. Die Qualität der Bewegungssteuerung hängt davon ab, wie gut Informationen aus dem Körper verarbeitet werden.

Die neurozentrierte Arbeit setzt genau hier an: bei der Kommunikation zwischen Gehirn und Körper.


Nicht jede Übung ist für jeden Menschen geeignet

Ein wichtiger Grundsatz meiner Arbeit ist die individuelle Überprüfung.

Auch wenn eine Übung bei einer Person hilfreich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie bei jedem Menschen die gleiche Wirkung hat. Das Nervensystem jedes Menschen verarbeitet Reize unterschiedlich.

Deshalb wird in der neurozentrierten Arbeit immer beobachtet:

  • Fühlt sich die Bewegung leichter an?
  • Verbessert sich die Wahrnehmung?
  • Verändert sich die Beweglichkeit?
  • Reagiert das Nervensystem positiv?

Nur wenn eine Übung eine positive Reaktion zeigt, macht es Sinn, sie regelmäßig in den Alltag zu integrieren.


Individuelle Begleitung bei Schulterschmerzen

Genau hier setzt meine 1:1-Online-Schmerzbegleitung an.

Statt allgemeiner Übungen „auf Verdacht“ betrachten wir die individuelle Situation: Welche Faktoren könnten bei deinen Beschwerden eine Rolle spielen? Welche Übungen und Strategien passen zu deinem Nervensystem?

Dabei können unter anderem sensorische Systeme, Atmung, visuelle Reize und die Verbindung zwischen Gehirn und Körper einbezogen werden.

Die individuelle Online-Schmerzbegleitung ist noch bis Ende November 2026 zum Einführungspreis buchbar.

Den Anmelde-Link findest du hier im Kursheft!


Kostenlose praktische Impulse im WhatsApp-Kanal

Du möchtest kleine Übungen und praktische Anregungen rund um Nervensystem, Regulation und Körperwahrnehmung kennenlernen?

In meinem kostenlosen WhatsApp-Kanal neuro.entspannt teile ich regelmäßig Impulse und 2-Minuten-Workouts, die auch für die Schultern interessant sein können.

Hier klicken und Mitglied bei neuro-entspannt werden!


Fazit: Schulterschmerzen brauchen manchmal einen neuen Blickwinkel

Chronische Schulterschmerzen entstehen nicht immer ausschließlich durch ein Problem in der Schulter selbst. Das Nervensystem entscheidet mit, wie Bewegungen gesteuert und Schmerzsignale verarbeitet werden.

Wer die Verbindung zwischen Gehirn und Körper versteht, bekommt neue Möglichkeiten, aktiv mit den eigenen Beschwerden umzugehen.

Die Schulter ist nicht nur ein Gelenk – sie ist Teil eines komplexen Systems aus Wahrnehmung, Bewegung und Regulation.

Es geht nicht darum, eine vorgegebene Lösung abzuarbeiten, sondern wieder zu lernen, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen. Du entscheidest, was dir guttut.

Dienstag, 28. Oktober 2025

Mein neurozentrierter Weg aus dem Tennisarm

 

Wie ich aktiv selbst etwas für meinen linken Arm tue


Wichtiger Hinweis:
Die folgenden Schritte beschreiben meinen persönlichen Weg in der Selbstbehandlung meines Tennisarms. Sie stellen keine Anleitung oder Empfehlung zum Nachmachen dar. Alle Übungen habe ich individuell auf mich abgestimmt und in meiner eigenen neurozentrierten Arbeit positiv getestet. Bei ähnlichen Beschwerden kann sich eine ganz andere Herangehensweise als sinnvoll erweisen.


Bild 1 – Mit Orthese




Auf dem ersten Bild ist mein linker Arm mit einer Orthese zu sehen. Diese wurde mir vom Orthopäden verschrieben und stabilisiert das Ellenbogengelenk im Alltag.
Während meiner neurozentrierten Übungen nehme ich sie bewusst ab – denn ich möchte, dass mein Nervensystem echte, unverfälschte Rückmeldungen aus dem betroffenen Bereich erhält. Nur so kann mein Gehirn neue, präzise Informationen über die Position, Bewegung und Empfindung des Arms verarbeiten. Eine Orthese würde diese sensorische Rückmeldung dämpfen.


Bild 2 – Atemgürtel zur Vagusnerv-Stimulation





Hier trage ich einen Atemgürtel, der den Vagusnerv über die Bewegung des Zwerchfells sanft stimuliert.

Der Vagusnerv ist ein wichtiger Teil unseres parasympathischen Nervensystems – er wirkt beruhigend, entzündungshemmend und schmerzregulierend. Durch die Kombination mit gezielter Atmung kann ich die Wirkung meiner Übungen deutlich verstärken und mein System in einen regulierteren, ruhigeren Zustand bringen.


Bild 3 & 4 – Der erste Reiz: Riechen






Bevor ich mit den körperlichen Übungen starte, beginne ich mit dem Geruchssinn. Auf den Bildern halte ich die Düfte Zitrone und Tonka unter die Nase – zwei meiner Favoriten.

Der Riechnerv (Hirnnerv I) ist der direkteste Zugang zum Gehirn und steht in enger Verbindung zu den emotionalen und autonomen Zentren.
Indem ich ihn zuerst aktiviere, bereite ich mein Nervensystem auf die nachfolgenden Reize vor. Düfte können über das limbische System unmittelbar Stimmung, Aufmerksamkeit und Entspannung beeinflussen. Tonka wird zudem nachgesagt, chronische Schmerzen positiv zu beeinflussen – bei mir wirkt er angenehm beruhigend.


Bild 5 – Sensorische Stimulation




Im nächsten Schritt arbeite ich mit einem kühlenden Metallstück, mit dem ich meinen Unterarm und den Ellenbogen sanft ausreibe.
Diese sensorische Stimulation verbessert die Wahrnehmung des betroffenen Areals.
In der Neuroarbeit gilt: Sensorik geht vor Motorik – erst wenn das Gehirn klare sensorische Informationen bekommt, kann es Bewegungen sicher und effizient steuern. Das sanfte Kühlen wirkt zusätzlich schmerzlindernd und reduziert Spannungen im Gewebe.


Bild 6 – Spiegelgelenk: das rechte Knie




Statt meinen empfindlichen linken Ellenbogen direkt zu bewegen, mobilisiere ich zunächst das rechte Knie – das sogenannte Spiegelgelenk.
Hintergrund: In der neurozentrierten Arbeit wird das Gehirn über Bewegung benachbarter oder spiegelbildlicher Gelenke angesprochen. Wenn ein Gelenk überempfindlich reagiert, kann das Training des gegenüberliegenden Gelenks helfen, das Gehirn neu zu „kalibrieren“.
Das Knie kreise ich in verschiedenen Positionen, um sichere Bewegungsinformationen ans Nervensystem zu schicken – ohne Schmerzreiz.


Bild 7 & 8 – Hand- und Schultermobilisation







Dann folgen Bewegungen, die mein Gehirn wieder an harmonische Bewegungsmuster erinnern:

Ich zeichne mit dem Handgelenk eine liegende Acht in die Luft und anschließend mit dem ausgestreckten Arm – aus der Schulter heraus – ebenfalls eine.
Diese koordinativen Bewegungen verbessern das Zusammenspiel von Schulter, Arm und Hand und fördern die neuronale Kontrolle entlang der gesamten Bewegungskette.


Bild 9 – Nervendehnung des Speichennervs




Auf diesem Bild bin ich bei der Nervendehnung des Speichennervs (Nervus radialis) in einer für mich angenehmen Entspannungsposition zu sehen.
Das Ziel ist nicht, den Nerv maximal zu dehnen, sondern ihn sanft in seiner Gleitfähigkeit zu unterstützen. Diese Technik kann helfen, Spannungszustände entlang der Nervenbahn zu reduzieren und die Beweglichkeit schmerzfreier zu gestalten.
Entscheidend ist dabei das individuelle Empfinden – für mich fühlt sich diese Position wohltuend und entspannend an.


Bild 10 – Atemübung mit App-Unterstützung




Zum Abschluss unterstütze ich meinen Körper erneut über den Vagusnerv:
Mit der App Breathe lasse ich mich durch eine Atemübung führen – 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 6 Sekunden ausatmen.
Diese Art der Atmung aktiviert den Parasympathikus, reduziert Stresshormone und wirkt regulierend auf Entzündungsprozesse. Ich mache sie ohnehin fast täglich – hier rundet sie meine neurozentrierte Selbstbehandlung ideal ab.


Fazit

Bis zu meinem nächsten Physiotermin kann ich mit diesen individuell auf mich abgestimmten Übungen aktiv etwas tun – und meinem Nervensystem gezielt helfen, Schmerzen zu reduzieren, Bewegung sicherer zu machen und Heilungsprozesse zu unterstützen.

Der Star aller Hirnnerven: der Vagusnerv

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