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Samstag, 10. Oktober 2026

Der Star aller Hirnnerven: der Vagusnerv

 


                                                                                              Canva


Du bist erschöpft, aber kannst nicht abschalten. Dein Bauch macht Probleme, der Kopf drückt oder die nächste Migräne kündigt sich an. Vielleicht hast du auch das Gefühl, dass dein Körper dauerhaft unter Spannung steht und einfach nicht mehr richtig zur Ruhe kommt.

Was hat das alles miteinander zu tun?

Eine mögliche Spur führt zu einem Nerv, über den in den vergangenen Jahren immer häufiger gesprochen wird: dem Vagusnerv.

Er gilt als einer der spannendsten Hirnnerven – und das aus gutem Grund. Seine Aufgaben reichen weit über das hinaus, was viele mit ihm verbinden: Entspannung und Stressabbau.


Der Vagusnerv – eine wichtige Verbindung zwischen Gehirn und Körper

Der Vagusnerv ist der zehnte Hirnnerv. Er zieht vom Gehirn durch Hals und Brustraum bis in große Teile des Bauchraums. Dabei steht er mit verschiedenen Organen in Verbindung, darunter Herz, Lunge und Verdauungstrakt.

Er ist ein wichtiger Bestandteil des parasympathischen Nervensystems und beteiligt sich unter anderem an der Regulation der Herzfrequenz und an Verdauungsprozessen.

Besonders interessant: Ein großer Teil seiner Nervenfasern leitet Informationen aus dem Körper in Richtung Gehirn. Der Vagusnerv übermittelt also nicht nur Signale vom Gehirn zu den Organen. Er liefert dem Gehirn auch Informationen darüber, was im Körper geschieht.

Und genau das macht ihn so spannend.

Mehr als Stress: Wo der Vagusnerv eine Rolle spielt

Stress und Erholung

Wenn wir unter Druck stehen, verändert sich unser Körper: Herzfrequenz, Atmung und Muskelspannung können sich anpassen. Der Vagusnerv ist an der Regulation bestimmter körperlicher Reaktionen beteiligt und spielt eine wichtige Rolle bei der parasympathischen Kontrolle des Herzens.

Ruhige Atemübungen können beispielsweise die Herzfrequenzvariabilität beeinflussen. Sie sind deshalb für manche Menschen eine hilfreiche Möglichkeit, mit Anspannung umzugehen.

Der Vagusnerv ist allerdings kein Ausschalter, mit dem sich Stress einfach beseitigen lässt. Seine Funktion ist Teil eines komplexen Regulationssystems.

Verdauung und Darm

Blähungen, Völlegefühl oder ein empfindlicher Darm können den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Der Vagusnerv ist an der Steuerung verschiedener Verdauungsfunktionen beteiligt. Er übermittelt Informationen aus dem Verdauungstrakt und beeinflusst unter anderem die Bewegungs- und Sekretionsprozesse im oberen Verdauungssystem.

Auch die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn ist wissenschaftlich interessant. Dabei wirken allerdings viele Faktoren zusammen, darunter weitere Nervenbahnen, Hormone, Immunprozesse und die Darmmikrobiota.

Verdauungsbeschwerden lassen sich deshalb nicht pauschal auf einen „zu wenig aktiven“ Vagusnerv zurückführen. Trotzdem ist seine Rolle ein spannender Bestandteil der Forschung zur Darm-Hirn-Kommunikation.

Entzündungsprozesse

Besonders faszinierend ist die Forschung zum sogenannten cholinergen antiinflammatorischen Signalweg.

Vereinfacht gesagt: Über neuronale Signalwege, an denen der Vagusnerv beteiligt ist, kann der Körper bestimmte Immunreaktionen beeinflussen. Dieser Zusammenhang wird intensiv erforscht.

Die Forschung zur elektrischen Vagusnerv-Stimulation untersucht unter anderem, ob sich solche Mechanismen therapeutisch nutzen lassen.

Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen biologischen Zusammenhängen und nachgewiesener Wirksamkeit bei einer konkreten Erkrankung. Aus diesen Erkenntnissen folgt nicht, dass sich chronische Entzündungen durch Summen, Atemübungen oder einfache Selbststimulation behandeln lassen.

Migräne und Kopfschmerzen

Auch bei Migräne ist der Vagusnerv von Interesse.

Die nicht-invasive Vagusnerv-Stimulation wird in klinischen Studien als mögliche Behandlung bei bestimmten Kopfschmerzerkrankungen untersucht. Für ausgewählte Anwendungen gibt es bereits medizinische Geräte und entsprechende Behandlungsempfehlungen.

Das ist etwas anderes als eine allgemeine Entspannungsübung: Medizinische Stimulationsgeräte arbeiten mit definierten elektrischen Reizen und sollten entsprechend der jeweiligen medizinischen Empfehlung eingesetzt werden.

Warum ist das Thema trotzdem spannend? Weil es zeigt, dass der Vagusnerv nicht nur bei Entspannung, sondern auch bei der Erforschung neurologischer Erkrankungen eine Rolle spielt.

Bei wiederkehrenden oder starken Kopfschmerzen ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Selbststimulationsmethoden ersetzen keine Migränebehandlung.

Gewicht und Stoffwechsel

Der Vagusnerv übermittelt auch Informationen über den Zustand des Verdauungssystems und ist an Signalen beteiligt, die mit Sättigung und Nahrungsaufnahme zusammenhängen.

Deshalb wird erforscht, wie vagale Signalwege und ihre Beeinflussung bei bestimmten Stoffwechsel- und Gewichtsproblemen eine Rolle spielen könnten.

Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass eine einfache Vagusnerv-Übung beim Abnehmen hilft. Körpergewicht wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, beispielsweise durch Hormone, Medikamente, Schlaf, Ernährung, Bewegung und individuelle Stoffwechselbedingungen.

Der Vagusnerv ist hier ein interessanter Forschungsansatz – aber keine Abkürzung zur Gewichtsabnahme.


Kann man den Vagusnerv selbst stimulieren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, körperliche Prozesse zu beeinflussen, an denen der Vagusnerv beteiligt ist. Dazu gehören beispielsweise ruhige Atmung und bestimmte Entspannungspraktiken.

Solche Methoden können das Wohlbefinden unterstützen. Sie sind aber nicht mit einer gezielten elektrischen Vagusnerv-Stimulation gleichzusetzen, und ihre Wirkung auf den Vagusnerv lässt sich nicht immer direkt nachweisen.

Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen, statt jedem Versprechen aus dem Internet zu glauben.

Nicht jede Methode wirkt bei jedem Menschen gleich. Und nicht jede vermeintliche „Vagusnerv-Technik“ hat die Wirkung, die ihr zugeschrieben wird.


Der Vagusnerv begeistert – auch in meinen Workshops

Wie groß das Interesse an diesem Thema ist, erlebe ich in meinen eigenen Kursen ganz unmittelbar.

Der Workshop zur Vagusnerv-Stimulation ist mein beliebtester und am stärksten nachgefragter Kurs.

Deshalb wird er im nächsten Kurshalbjahr an gleich mehreren Kursstandorten erneut angeboten.

In den Workshops beschäftigen wir uns mit dem Vagusnerv, seinen Aufgaben und verschiedenen Möglichkeiten der Stimulation. Hintergrundwissen wird verständlich erklärt und durch praktische Übungen ergänzt, die gemeinsam ausprobiert werden.

Dabei geht es nicht um ein Wundermittel gegen sämtliche Beschwerden. Es geht darum, einen faszinierenden Nerv besser kennenzulernen und zu verstehen, welche Rolle er für unsere körperlichen Funktionen spielt.

Denn je mehr wir über den Vagusnerv erfahren, desto deutlicher wird: Seine Bedeutung reicht weit über das Thema Entspannung hinaus.

Der Vagusnerv ist nicht ohne Grund in aller Munde. Entscheidend ist, die wissenschaftlich belegten Zusammenhänge von den noch offenen Forschungsfragen zu unterscheiden – und neugierig zu bleiben.


Du möchtest wissen wann und wo die nächsten Kurse stattfinden?

Dann folge mir auf meinem kostenlosen WhatsApp-Kanal neuro.entspannt. 

Dort erfährst du als Erste(r) die neuen Kurstermine! 

Gerne weitersagen...

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Donnerstag, 13. August 2026

Vagusnerv stimulieren: Hilft das wirklich gegen Schmerzen?

 



Der Vagusnerv ist in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus gerückt – und das nicht ohne Grund. Er verbindet das Gehirn mit zahlreichen Organen und spielt eine wichtige Rolle in der Regulation von Stress, Verdauung, Herzschlag und Entzündungsprozessen.

Gerade bei Menschen mit chronischen Schmerzen stellt sich häufig die Frage: Kann die gezielte Stimulation des Vagusnervs dabei helfen, Beschwerden zu lindern?


Die Antwort ist: Der Vagusnerv ist kein „Schmerz-Ausschalter“. Schmerzen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel aus Gewebe, Nervensystem, Stressverarbeitung, Schlaf, Emotionen und vielen weiteren Faktoren. Aber: Ein gut reguliertes Nervensystem kann entscheidend dazu beitragen, wie der Körper Schmerzsignale verarbeitet.


Warum der Vagusnerv bei Schmerzen eine Rolle spielen kann

Bei anhaltenden Beschwerden befindet sich das Nervensystem häufig in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft. Der Körper bleibt gewissermaßen auf „Schutzmodus“. Das kann dazu führen, dass Schmerzsignale stärker wahrgenommen werden und Erholung schwieriger wird.

Hier setzt die Vagusnerv-Stimulation an: Sie kann dem Körper Signale von Sicherheit und Regulation geben. Atemübungen, bestimmte Bewegungsimpulse oder gezielte Wahrnehmungsübungen können dabei helfen, das autonome Nervensystem anzusprechen.

Viele Menschen berichten anschließend von einem Gefühl größerer Ruhe, besserer Körperwahrnehmung oder einer verbesserten Entspannungsfähigkeit.


Nicht Entspannung um jeden Preis – sondern Regulation

Ein wichtiger Punkt: Das Ziel ist nicht, dauerhaft entspannt zu sein. Unser Nervensystem braucht Flexibilität. Wir müssen aktiv sein können, konzentriert arbeiten, Herausforderungen bewältigen und anschließend wieder in einen Zustand der Erholung zurückfinden.

Genau diese Fähigkeit zur Regulation ist bei chronischen Beschwerden häufig besonders wertvoll.


Überraschende Erfahrungen aus meinen Workshops

Mein Workshop „Anleitung zur Vagusnerv-Stimulation – aktiviere deinen Selbstheilungsnerv!“ erfreut sich einer hohen Nachfrage.

In der Vergangenheit durfte ich bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern immer wieder überraschende Ergebnisse beobachten: Manche spürten bereits während der Übungen Veränderungen in ihrer Körperwahrnehmung, eine bessere Regulation oder eine deutliche Entlastung.

Dabei geht es nicht um ein Versprechen, dass jede Beschwerde verschwindet. Jeder Mensch bringt ein eigenes Nervensystem, eine eigene Geschichte und unterschiedliche körperliche Voraussetzungen mit. Aber die Möglichkeit, den eigenen Körper besser zu verstehen und aktiv Einfluss auf die Regulation zu nehmen, erleben viele als sehr wertvoll.

Die nächsten Vagusnerv-Kurse findest du im Kursheft.


Vagusnerv-Stimulation auch in der individuellen Schmerzbegleitung

Neben meinen Workshops biete ich auch eine individuelle 1:1-Online-Schmerzbegleitung an.

Dabei betrachten wir die jeweilige Beschwerde ganzheitlich und beziehen auch den Vagusnerv sowie die Regulation des Nervensystems mit ein. Die Begleitung richtet sich an Menschen mit konkreten Beschwerden wie beispielsweise Gelenkschmerzen, Rückenproblemen, Nackenbeschwerden oder anderen chronischen Schmerzthemen.

Bis Ende November 2026 ist die individuelle Online-Schmerzbegleitung noch zum Einführungspreis buchbar.

Den Anmeldelink findest du im Kursheft.


Fazit: Kann der Vagusnerv Schmerzen beeinflussen?

Die Vagusnerv-Stimulation ist kein Wundermittel und ersetzt keine medizinische Behandlung. Sie kann aber ein wertvoller Baustein sein, um das Nervensystem besser zu regulieren und den eigenen Körper aktiver zu unterstützen.

Wer versteht, wie das eigene Nervensystem arbeitet, gewinnt eine wichtige Grundlage für einen neuen Umgang mit Schmerzen.

Vielleicht liegt ein Teil der Lösung nicht nur darin, den Schmerz zu bekämpfen – sondern darin, dem Körper wieder mehr Sicherheit und Regulation zu ermöglichen.

Zum Kursheft hier klicken!

Samstag, 17. Januar 2026

Warum Disziplin allein nicht reicht – und was dein Gehirn wirklich braucht

 

Canva


Der Jahresanfang ist noch jung – und trotzdem haben viele ihre guten Vorsätze bereits wieder aufgegeben.
Mehr Bewegung, gesünder essen, besser schlafen, Gewicht regulieren, weniger Stress.

Oft folgt dann schnell der Gedanke:

„Mir fehlt einfach die Disziplin.“

Doch genau hier lohnt sich ein Perspektivwechsel – aus Sicht des Gehirns.


Willenskraft ist keine unendliche Ressource

Disziplin und Willenskraft werden häufig überschätzt. Neurobiologisch betrachtet sind sie begrenzt verfügbar.
Sie kosten Energie – und zwar viel.

Jede bewusste Entscheidung, jedes „Ich reiß mich jetzt zusammen“ greift auf dieselben Ressourcen zurück, die du auch für:

  • Konzentration

  • Emotionsregulation

  • Impulskontrolle

benötigst. Ist die Energie knapp, bricht zuerst die Disziplin weg – nicht der gute Wille.


Warum dein Gehirn Gewohnheiten liebt

Unser Gehirn ist ein Energiesparorgan. Es liebt:

  • Bekanntes

  • Wiederholtes

  • Vorhersagbares

Gewohnheiten laufen automatisiert ab und benötigen kaum Energie.


Neues Verhalten dagegen kostet:

  • Aufmerksamkeit

  • Planung

  • Kontrolle

  • Unsicherheits-Toleranz

Für das Gehirn ist Neues zunächst nicht sicher. Und Unsicherheit bedeutet: höherer Energieverbrauch.

Wenn Energie ohnehin schon Mangelware ist, wird Veränderung zur echten Herausforderung – egal, wie motiviert du bist.


Verhalten ändern gelingt leichter, wenn Energie verfügbar ist

Die entscheidende Frage lautet also nicht:

„Warum halte ich nicht durch?“

sondern:

„Wie gut ist mein Energiesystem gerade versorgt?“


Die wichtigsten Energiegeber deines Nervensystems


🔹 Atmung

Die Atmung beeinflusst unmittelbar:

  • Stresslevel

  • Sauerstoffversorgung

  • Aktivität des Vagusnervs

Eine dysregulierte Atmung bedeutet: weniger Energie, mehr Stress.


🔹 Blutzucker

Starke Schwankungen im Blutzucker wirken sich direkt auf:

  • Impulskontrolle

  • Entscheidungsfähigkeit

  • Essverhalten

Ein instabiler Blutzucker macht Disziplin extrem schwer.


🔹 Schlaf

Im Schlaf regeneriert das Gehirn.
Schlafmangel reduziert:

  • Willenskraft

  • Emotionsregulation

  • Aktivität des Frontallappens

Ohne Schlaf kein stabiles Verhalten.


Der Frontallappen – dein innerer „Chef“

Der Frontallappen ist zuständig für:

  • Planung

  • Selbststeuerung

  • Zielorientiertes Verhalten

  • Impulskontrolle

Unter Stress, Schlafmangel oder Energiedefizit tritt er in den Hintergrund – ältere, automatisierte Muster übernehmen.

Die gute Nachricht:
👉 Der Frontallappen ist trainierbar.

Gezielte neurozentrierte Übungen können helfen, ihn wieder aktiver einzubinden – damit du im eigenen Gehirn wieder mehr „Chef“ wirst.


Disziplin ist kein Charaktermerkmal – sondern ein Systemzustand

Wenn Veränderung schwerfällt, liegt das selten an mangelnder Disziplin.
Meist fehlt dem System:

  • Sicherheit

  • Energie

  • Regulation

Wer zuerst für ausreichend Energie sorgt, macht Veränderung überhaupt erst möglich.


Unterstützung auf neurozentrierter Ebene

Wenn du dein Verhalten nicht über Druck, sondern über bessere Voraussetzungen verändern möchtest, können diese Kurse dich gezielt unterstützen:


  • Neurozentrierte Strategien für ein gutes Gewichtsmanagement

  • Vagusnervstimulation – Regulation, Ruhe & Regeneration

  • Besser Schlafen mit neurozentrierten Strategien

  • Atemtraining


Zwischen und begleitend zu den Kursen teile ich regelmäßig Wissen, Impulse und Übungen über:


👉 Instagram: @neuro-entspannt_mit_inka


👉 meinen WhatsApp-Kanal: hier klicken


Veränderung beginnt nicht mit mehr Disziplin –
sondern mit einem Nervensystem, das genug Energie hat, um Neues zuzulassen.





Dienstag, 28. Oktober 2025

Mein neurozentrierter Weg aus dem Tennisarm

 

Wie ich aktiv selbst etwas für meinen linken Arm tue


Wichtiger Hinweis:
Die folgenden Schritte beschreiben meinen persönlichen Weg in der Selbstbehandlung meines Tennisarms. Sie stellen keine Anleitung oder Empfehlung zum Nachmachen dar. Alle Übungen habe ich individuell auf mich abgestimmt und in meiner eigenen neurozentrierten Arbeit positiv getestet. Bei ähnlichen Beschwerden kann sich eine ganz andere Herangehensweise als sinnvoll erweisen.


Bild 1 – Mit Orthese




Auf dem ersten Bild ist mein linker Arm mit einer Orthese zu sehen. Diese wurde mir vom Orthopäden verschrieben und stabilisiert das Ellenbogengelenk im Alltag.
Während meiner neurozentrierten Übungen nehme ich sie bewusst ab – denn ich möchte, dass mein Nervensystem echte, unverfälschte Rückmeldungen aus dem betroffenen Bereich erhält. Nur so kann mein Gehirn neue, präzise Informationen über die Position, Bewegung und Empfindung des Arms verarbeiten. Eine Orthese würde diese sensorische Rückmeldung dämpfen.


Bild 2 – Atemgürtel zur Vagusnerv-Stimulation





Hier trage ich einen Atemgürtel, der den Vagusnerv über die Bewegung des Zwerchfells sanft stimuliert.

Der Vagusnerv ist ein wichtiger Teil unseres parasympathischen Nervensystems – er wirkt beruhigend, entzündungshemmend und schmerzregulierend. Durch die Kombination mit gezielter Atmung kann ich die Wirkung meiner Übungen deutlich verstärken und mein System in einen regulierteren, ruhigeren Zustand bringen.


Bild 3 & 4 – Der erste Reiz: Riechen






Bevor ich mit den körperlichen Übungen starte, beginne ich mit dem Geruchssinn. Auf den Bildern halte ich die Düfte Zitrone und Tonka unter die Nase – zwei meiner Favoriten.

Der Riechnerv (Hirnnerv I) ist der direkteste Zugang zum Gehirn und steht in enger Verbindung zu den emotionalen und autonomen Zentren.
Indem ich ihn zuerst aktiviere, bereite ich mein Nervensystem auf die nachfolgenden Reize vor. Düfte können über das limbische System unmittelbar Stimmung, Aufmerksamkeit und Entspannung beeinflussen. Tonka wird zudem nachgesagt, chronische Schmerzen positiv zu beeinflussen – bei mir wirkt er angenehm beruhigend.


Bild 5 – Sensorische Stimulation




Im nächsten Schritt arbeite ich mit einem kühlenden Metallstück, mit dem ich meinen Unterarm und den Ellenbogen sanft ausreibe.
Diese sensorische Stimulation verbessert die Wahrnehmung des betroffenen Areals.
In der Neuroarbeit gilt: Sensorik geht vor Motorik – erst wenn das Gehirn klare sensorische Informationen bekommt, kann es Bewegungen sicher und effizient steuern. Das sanfte Kühlen wirkt zusätzlich schmerzlindernd und reduziert Spannungen im Gewebe.


Bild 6 – Spiegelgelenk: das rechte Knie




Statt meinen empfindlichen linken Ellenbogen direkt zu bewegen, mobilisiere ich zunächst das rechte Knie – das sogenannte Spiegelgelenk.
Hintergrund: In der neurozentrierten Arbeit wird das Gehirn über Bewegung benachbarter oder spiegelbildlicher Gelenke angesprochen. Wenn ein Gelenk überempfindlich reagiert, kann das Training des gegenüberliegenden Gelenks helfen, das Gehirn neu zu „kalibrieren“.
Das Knie kreise ich in verschiedenen Positionen, um sichere Bewegungsinformationen ans Nervensystem zu schicken – ohne Schmerzreiz.


Bild 7 & 8 – Hand- und Schultermobilisation







Dann folgen Bewegungen, die mein Gehirn wieder an harmonische Bewegungsmuster erinnern:

Ich zeichne mit dem Handgelenk eine liegende Acht in die Luft und anschließend mit dem ausgestreckten Arm – aus der Schulter heraus – ebenfalls eine.
Diese koordinativen Bewegungen verbessern das Zusammenspiel von Schulter, Arm und Hand und fördern die neuronale Kontrolle entlang der gesamten Bewegungskette.


Bild 9 – Nervendehnung des Speichennervs




Auf diesem Bild bin ich bei der Nervendehnung des Speichennervs (Nervus radialis) in einer für mich angenehmen Entspannungsposition zu sehen.
Das Ziel ist nicht, den Nerv maximal zu dehnen, sondern ihn sanft in seiner Gleitfähigkeit zu unterstützen. Diese Technik kann helfen, Spannungszustände entlang der Nervenbahn zu reduzieren und die Beweglichkeit schmerzfreier zu gestalten.
Entscheidend ist dabei das individuelle Empfinden – für mich fühlt sich diese Position wohltuend und entspannend an.


Bild 10 – Atemübung mit App-Unterstützung




Zum Abschluss unterstütze ich meinen Körper erneut über den Vagusnerv:
Mit der App Breathe lasse ich mich durch eine Atemübung führen – 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 6 Sekunden ausatmen.
Diese Art der Atmung aktiviert den Parasympathikus, reduziert Stresshormone und wirkt regulierend auf Entzündungsprozesse. Ich mache sie ohnehin fast täglich – hier rundet sie meine neurozentrierte Selbstbehandlung ideal ab.


Fazit

Bis zu meinem nächsten Physiotermin kann ich mit diesen individuell auf mich abgestimmten Übungen aktiv etwas tun – und meinem Nervensystem gezielt helfen, Schmerzen zu reduzieren, Bewegung sicherer zu machen und Heilungsprozesse zu unterstützen.

Dienstag, 21. Oktober 2025

🧠 Rheuma, Entzündung & Vagusnerv – was eine Studie zeigt

 



Der Vagusnerv ist weit mehr als nur der „Entspannungsnerv“. Er beeinflusst Herzfrequenz, Atmung, Verdauung – und auch unser Immunsystem. Über ihn läuft der sogenannte inflammatory reflex, ein körpereigener Mechanismus, der Entzündungen regulieren kann.

Dass diese Verbindung nicht nur theoretisch existiert, zeigen mittlerweile mehrere Studien. Besonders spannend ist eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 von Addorisio und Kolleg:innen, die Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis (Rheuma) einschloss.


🔬 Was wurde untersucht?

In dieser kleinen Pilotstudie wurde der Vagusnerv nicht-invasiv über das äußere Ohr stimuliert – also ohne Operation oder implantiertes Gerät.
Die Anwendung dauerte gerade einmal zwei Minuten. Danach wurden über 24 Stunden hinweg Entzündungswerte im Blut gemessen:
Interleukin-6, Interleukin-1β und TNF-α – Marker, die anzeigen, wie aktiv das Immunsystem ist.

Das Ergebnis:
Bereits vier Stunden nach der Stimulation waren alle drei Entzündungsmarker deutlich niedriger.
Und das Erstaunliche: Die Teilnehmenden berichteten über eine anhaltende Verbesserung ihrer Symptome, die über mehrere Tage anhielt.

Studie: Addorisio ME et al. (2019). Investigational treatment of rheumatoid arthritis with a vibrotactile device applied to the external ear.
Bioelectronic Medicine, 5:4. PMCID: PMC7098240

 

⚖️ Was bedeutet das?

Natürlich handelt es sich um eine sehr kleine Studie – die Ergebnisse sind noch kein Beweis für eine etablierte Therapie.
Aber sie zeigen eindrucksvoll, wie stark das Nervensystem Entzündungsprozesse beeinflussen kann.

Und das gilt nicht nur für Menschen mit Rheuma. Chronische Entzündungen stehen im Zusammenhang mit vielen Beschwerden – von anhaltender Müdigkeit bis zu depressiven Symptomen.
Wenn der Vagusnerv „gut arbeitet“, hilft er, innere Balance und Regenerationsfähigkeit zu erhalten.


🌿 Was du daraus mitnehmen kannst

Wir können unseren Vagusnerv gezielt ansprechen – mit verschiedensten Übungen.
Diese kleinen Reize aktivieren das parasympathische System, senken Stress und unterstützen die körpereigene Regulation.

Vagusarbeit ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber ein wertvoller Baustein für Entzündungsregulation, innere Ruhe und Heilungsprozesse sein.


💬 Mein Fazit

Die Studie von Addorisio et al. liefert faszinierende Einblicke in die Verbindung von Nervensystem und Immunsystem.

👉 Wer seinen Vagus stärkt, stärkt seine Selbstregulation.


🧩 In meinen Workshops

In meinen Workshops zur Vagusnervstimulation vermittle ich praxisnah, wie sich diese Erkenntnisse in Übungen umsetzen lassen.
Wir arbeiten dort unter anderem auch über das Ohr – also genau an jener Stelle, über die in der Studie stimuliert wurde – und erleben, wie gezielte Reize das Nervensystem regulieren und das Wohlbefinden verbessern können.


Mittwoch, 30. April 2025

Tipp zur passiven Vagusnervstimulation!

Über den Vagusnerv habe ich hier bereits ausführlich berichtet. Er wird als Selbstheilungsnerv bezeichnet und seine Stimulation kann ein Gamechanger bei einer Vielzahl von Beschwerden sein:


👉 Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie hoher Blutdruck

👉 Schluckbeschwerden

👉 Verdauungsstörungen

👉 geschwächtes Immunsystem

👉 Muskel-, Gelenk- und Rückenerkrankungen

👉 Kopfschmerzen/Migräne

👉 Konzentrationsstörungen

👉 Schlafstörungen

👉 Probleme mit dem Körpergewicht

👉 Burnout


Wie gut, dass wir mit einer Vagusnerv-Stimulation diesen Beschwerden entgegenwirken können. Hier stelle ich dir eine passive Möglichkeit vor, den Vagusnerv sozusagen "to go" zu stimulieren.



Foto selbst erstellt


Hierfür benötigst du einen Atemgürtel, Nierengurt o.ä. Du kannst ihn dir umbinden und bis zu zwei Stunden täglich über den Tag (z. B. beim Spaziergang) tragen. 
Der Vagusnerv verläuft durch den Bauchraum und wird auf diese Weise durch leichten Druck und durch die Wärme, die durch das Tragen entsteht, sanft stimuliert.

Du möchtest mehr über den Vagusnerv erfahren? 

Ich biete regelmäßig Workshops zur Vagusnerv-Stimulation an. Schaue einfach in meinem Kurskalender nach!

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Der Star aller Hirnnerven: der Vagusnerv

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