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Sonntag, 14. Juni 2026

Dein Gehirn hat nur eine Mission: Überleben

 

                                                                     Bild erstellt mit KI


Kennst du Tage, an denen du dich müde und ausgelaugt fühlst, obwohl eigentlich gar nichts Besonderes passiert ist?

Du hast vielleicht ausreichend geschlafen.
Der Tag war nicht außergewöhnlich anstrengend.
Und trotzdem fühlt sich dein Kopf voll an und dein Körper erschöpft.

Viele Menschen denken dann:
Mit mir stimmt etwas nicht.

Dabei kann genau das Gegenteil der Fall sein.

Das Gehirn arbeitet ununterbrochen

Unser Gehirn hat eine zentrale Aufgabe:
Es soll unser Überleben sichern.

Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Dafür scannt unser Nervensystem ständig die Umgebung. Es überprüft ununterbrochen:

  • Stimmen und Geräusche
  • Gesichtsausdrücke anderer Menschen
  • Situationen und Orte
  • Körperempfindungen
  • Gedanken und Erinnerungen

Die zentrale Frage lautet immer:

Bin ich sicher – oder könnte hier Gefahr sein?

Dieser Prozess läuft größtenteils unbewusst ab.

Überleben hat immer Vorrang

Für unser Gehirn gilt eine klare Priorität:

Alles, was uns potenziell gefährlich werden könnte, hat Vorrang vor allem anderen.

Erst wenn unser System ausreichend Sicherheit wahrnimmt, kann Energie in andere Dinge fließen:

  • Verdauung
  • Regeneration
  • Lernen
  • Kreativität
  • Heilung

Solange das Gehirn jedoch mit dem Scannen der Umgebung beschäftigt ist, bleibt ein Teil der Energie genau dort gebunden.

Dauer-Scanning kostet Energie

Unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan. Obwohl es nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es rund zwanzig Prozent unserer Energie.

Wenn dieses System dauerhaft auf Hochtouren läuft, kann das dazu führen, dass wir uns so fühlen:

  • erschöpft
  • angespannt
  • innerlich unruhig
  • oder einfach leer

Nicht, weil wir „zu empfindlich“ sind.

Sondern weil unser Nervensystem permanent arbeitet, um uns zu schützen.

Das System tut nichts ohne Grund

Auch wenn sich Symptome manchmal belastend anfühlen:
Unser Nervensystem arbeitet nicht gegen uns.

Es arbeitet für uns.

Der Anspruch des Gehirns ist nicht, dass wir super glücklich sind.
Nicht einmal unbedingt, dass wir besonders gesund sind.

Sein oberstes Ziel ist schlicht:

Du sollst überleben.

Und dafür wird dieses System alles tun.


Unsere Aufgabe als „Besitzer“ dieses Systems

Wenn wir verstehen, wie unser Gehirn arbeitet, können wir beginnen, besser mit unserem Nervensystem zusammenzuarbeiten.

Ein wichtiger erster Schritt ist die Frage:

Was sind eigentlich meine Stressoren?

Das können ganz unterschiedliche Dinge sein:

  • äußere Einflüsse
  • bestimmte Situationen oder Menschen
  • innere Überzeugungen
  • alte Muster
  • belastende Gedanken

Denn unser Körper reagiert nicht nur auf das, was tatsächlich passiert.

Er reagiert auch auf das, was wir denken und uns selbst sagen.

Der Körper hört gewissermaßen mit.

Und manche inneren Sätze können unser Nervensystem dauerhaft unter Druck setzen.


Sicherheit ist die Grundlage für Regeneration

Wenn wir unserem Nervensystem helfen wollen, braucht es vor allem eines:

Signale von Sicherheit.

Das können ganz kleine Dinge sein:

  • bewusste Pausen
  • ruhige Atmung
  • angenehme Sinneseindrücke
  • unterstützende Gedanken
  • kleine Übungen für das Nervensystem


Genau mit diesen Zusammenhängen beschäftige ich mich auch in meiner Arbeit.

In meinen Kursen geht es darum zu verstehen, wie unser Nervensystem funktioniert und wie wir es im Alltag unterstützen können.

Aktuelle Kurse und Workshops findest du in meinem Kursprogramm.

Und in meinem WhatsApp-Kanal teile ich regelmäßig kleine Impulse und Übungen rund um Schlaf, Nervensystem und Selbstregulation.

Denn je besser wir unser eigenes System verstehen, desto leichter können wir beginnen, mit ihm zu arbeiten statt gegen es.


Samstag, 21. Februar 2026

Testen statt Raten: Warum Lisa trotz Fleiß nicht weiterkam

 

                 Foto erstellt mit KI


Lisa ist 42, arbeitet viel am Schreibtisch und hat seit Monaten Nackenverspannungen. Sie ist diszipliniert: Jeden Abend macht sie ihre Dehnübungen, mobilisiert Schultern und Nacken und nimmt sich fest vor, „dranzubleiben“.

Trotzdem bleibt die erhoffte Verbesserung aus.

Manchmal fühlt es sich nach dem Üben kurz lockerer an. Am nächsten Morgen ist alles wieder wie vorher. Lisa beginnt zu zweifeln: Mache ich etwas falsch? Trainiere ich zu wenig?

Was ihr fehlt, ist nicht mehr Fleiß – sondern eine klare Rückmeldung ihres Nervensystems.


Warum Üben ohne Test oft ins Leere läuft

Viele Menschen trainieren nach dem Prinzip: Übung auswählen, regelmäßig durchführen und hoffen, dass sie wirkt. Im neurozentrierten Training gehen wir anders vor:

Test – Intervention – Re-Test.

Bevor Lisa irgendeine Übung macht, testen wir zuerst, wie sich ihr Körper jetzt gerade verhält. Denn Bewegung entsteht nicht nur in den Muskeln. Ihr Nervensystem entscheidet ständig, wie sicher sich eine Bewegung anfühlt. Wird etwas als unsicher bewertet, drosselt das Gehirn automatisch Leistung – zum Beispiel Beweglichkeit.

Ohne Test weiß Lisa nicht, ob ihre Übungen ihrem Nervensystem helfen oder ob sie einfach nur „beschäftigt“ ist.


Ein einfacher Mini-Test: Kopfrotation

Genau hier beginnen wir mit Lisa – und du kannst es sofort selbst ausprobieren:

Setz dich aufrecht hin und drehe deinen Kopf langsam nach rechts, dann nach links. Nur so weit, wie es angenehm ist.

Achte auf:

  • Wie weit kannst du drehen?

  • Ist eine Seite eingeschränkter?

  • Spürst du Widerstand oder Ziehen?

Lisa merkt sofort: Nach links kommt sie deutlich schlechter als nach rechts. Sie fixiert einen Punkt im Raum, bis zu dem sie drehen kann, und merkt sich dieses Gefühl.

Danach probiert sie eine kurze, gezielte Intervention aus – zum Beispiel ruhige Augenbewegungen oder eine Atemübung. Anschließend macht sie denselben Test noch einmal.

Plötzlich kommt sie ein Stück weiter nach links. Die Bewegung fühlt sich freier an.

Das ist kein Zufall. Ihr Nervensystem bewertet die Situation anders – und erlaubt mehr Bewegung.


Lernen in Echtzeit statt Hoffen auf später

Für Lisa ist das ein Aha-Moment. Zum ersten Mal bekommt sie eine sofortige Rückmeldung. Sie merkt: Manche Übungen verändern direkt etwas, andere nicht.

Das Prinzip Test – Intervention – Re-Test hilft ihr:

  • weniger Zeit mit wirkungslosen Übungen zu verbringen

  • schneller herauszufinden, was ihr wirklich hilft

  • kleine Fortschritte sichtbar zu machen

  • motiviert dranzubleiben

Training wird dadurch präzise und individuell – statt ein starres Abarbeiten von Programmen.


Fazit: Dein Training braucht Rückmeldung

Lisas Problem war nie fehlende Disziplin. Ihr fehlte ein System, das ihr zeigt, was tatsächlich wirkt.

Neurozentriertes Training ersetzt Raten durch Beobachten. Jede Übung wird überprüft. Jede Veränderung zählt. So entsteht ein Training, das sich an deinem Nervensystem orientiert – und nicht an Zufall.

Wenn du mehr alltagstaugliche Tests, Übungen und Impulse rund um neurozentriertes Training möchtest, folge meinem Kanal auf WhatsApp und auf Instagram. Dort teile ich regelmäßig praktische Anregungen, die du direkt umsetzen kannst.



Samstag, 14. Februar 2026

Unser Nervensystem – ein Haus mit mehreren Etagen

 

erstellt mit KI


Viele Menschen stellen sich das Nervensystem als etwas Unsichtbares und Kompliziertes vor. Tatsächlich arbeitet es nach einem sehr logischen Prinzip. Um das verständlich zu machen, hilft ein einfaches Bild: Unser Nervensystem funktioniert wie ein Haus mit mehreren Etagen. Jede Etage baut auf der darunterliegenden auf.


Erdgeschoss: Regulation und Überleben

Im Erdgeschoss liegen die wichtigsten Grundlagen. Hier geht es um Regulation und Überleben. Atmung, Gleichgewicht und der Vagusnerv sorgen dafür, dass unser Körper stabil funktioniert. Wenn diese Basis ruhig und gut reguliert ist, fühlt sich der Körper sicher an. Ist das Erdgeschoss jedoch instabil, wirkt sich das sofort auf alles darüber aus. 
Ein typisches Beispiel ist Heißhunger: Wenn Blutzucker stark schwankt, viel Stress vorhanden ist oder die Atmung flach und hektisch ist, versucht der Körper zunächst nur zu überleben. In diesem Zustand fällt es extrem schwer, vernünftige Entscheidungen zu treffen.
Viele Menschen versuchen dann, auf der „obersten Etage“ zu arbeiten – sie schreiben einen Ernährungsplan oder nehmen sich strenge Regeln vor. Doch wenn das Erdgeschoss wackelt, kann die dritte Etage nicht stabil arbeiten. Der Plan scheitert nicht an mangelnder Disziplin, sondern an fehlender Regulation im Fundament.

Deshalb beginnt nachhaltige Veränderung immer hier: 
bei der Stabilisierung der Basis!


1. Etage: Sensorik und Wahrnehmung

Über eine Treppe gelangen wir in die erste Etage. Hier verarbeitet das Nervensystem Sinneseindrücke und Körperwahrnehmung.
Man unterscheidet zwei Bereiche:


Globale Sensorik: Sie beeinflusst unser allgemeines Befinden. Bei Dysregulation können Müdigkeit, Heißhunger oder ein dauerhaftes Stressgefühl auftreten.

          Lokale Sensorik: Sie betrifft einzelne Körperregionen. Hier entstehen zum Beispiel             Schmerz oder Instabilitätsgefühle.


Ein häufiger Fehler bei Schmerzen ist, diese Etage zu überspringen. Viele Betroffene versuchen sofort, mehr Bewegung zu machen. Doch das Gehirn kann nichts sinnvoll bewegen, was es nicht klar fühlen kann. Wenn die sensorische Wahrnehmung unscharf ist, arbeitet Bewegung gegen Widerstand. Erst wenn das Nervensystem wieder präzise Informationen aus dem Körper bekommt, kann Bewegung sicher und effizient werden.


2. Etage: Sicherheit und Orientierung

Die nächste Treppe führt in die Etage von Sicherheit und Orientierung. Hier geht es um Mobilisation und Bewegung. Der Körper lernt, sich effizient und sicher im Raum zu bewegen.Wenn diese Etage gut funktioniert, fühlen wir uns körperlich stabil. Bewegungen werden flüssiger und weniger anstrengend. 

Für viele Menschen – besonders bei Schmerzthemen – liegt hier bereits ein entscheidender Wendepunkt. Sobald das Nervensystem Sicherheit spürt, lässt es Schutzspannungen eher los.
Deshalb kann es sinnvoll sein, zunächst kleine, kontrollierte Bewegungen zu trainieren, statt den Körper direkt stark zu belasten.


3. Etage: Leistung und Verhalten

Noch eine Treppe höher befindet sich die Etage für Leistung und Verhalten. Hier sitzen Fähigkeiten wie Entscheidungsfähigkeit und Impulskontrolle. Diese Ebene ist wichtig für Planung, Zielsetzung und Selbststeuerung. Doch diese Fähigkeiten funktionieren nur zuverlässig, wenn die unteren Etagen stabil sind. Wer gestresst, müde oder körperlich unsicher ist, merkt schnell: Gute Vorsätze allein reichen nicht. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine logische Folge der Nervensystem-Organisation.


Der Dachboden: Unsere Ziele

Ganz oben im Haus stehen die Ziele, die sich viele Menschen wünschen: weniger Schmerz und Stress, bessere Beweglichkeit, ein gesundes Gewicht und guter Schlaf.
Interessant ist: Man muss nicht jede Etage perfekt ausbauen, um diese Ziele zu erreichen. Gerade bei Schmerz oder im Alltag reicht es oft, bis zur zweiten Etage – Sicherheit und Orientierung – zu arbeiten. Von dort führt gewissermaßen eine „Abkürzung“ direkt zu spürbaren Verbesserungen.


Warum dieses Modell im Alltag hilft

Das Hausmodell zeigt: Veränderungen im Nervensystem geschehen von unten nach oben. Wer nur an der obersten Etage arbeitet – an Disziplin, Motivation oder Leistung – übersieht oft das Fundament.
Wenn zuerst Regulation, Wahrnehmung und Sicherheit gestärkt werden, werden viele Probleme plötzlich einfacher. Entscheidungen fallen leichter, Bewegung fühlt sich besser an, und der Körper arbeitet nicht mehr gegen uns, sondern mit uns.

Nachhaltige Fortschritte entstehen also nicht durch Druck, sondern durch ein stabiles Fundament.


Komm gern ein Stück weiter mit!

Wenn du merkst, dass dein Nervensystem mehr Unterstützung gebrauchen kann, musst du diesen Weg nicht allein gehen. Ich teile regelmäßig kleine Impulse, Übungen und Gedanken, die dir helfen können, dein „Nervensystem-Haus“ Schritt für Schritt stabiler zu machen.

👉 In meinem Kanal auf WhatsApp bekommst du kurze, alltagstaugliche Anregungen, die du direkt ausprobieren kannst.

👉 Auf Instagram nehme ich dich mit hinter die Kulissen meiner Arbeit und teile zusätzliche Inspiration rund um Regulation, Bewegung und Nervensystem.

Wenn dich das anspricht, freue ich mich sehr, wenn du dazukommst. Dein Nervensystem darf lernen, sich wieder sicher und stark zu fühlen!


Sonntag, 25. Januar 2026

Entspannung hilft immer? Warum das ein gefährlicher Mythos ist

 


                                                                            Illustration erstellt mit KI


Entspannung hilft nicht immer – warum Sicherheit zuerst kommen muss

Der Dezember war geprägt von Migräne und fast dauerhaften Kopfschmerzen.
Bis ins neue Jahr hinein fühlte sich mein Nervensystem nicht nur erschöpft an – sondern völlig dysreguliert.

Was dabei passiert ist, kenne ich aus meiner Arbeit nur zu gut – diesmal habe ich es am eigenen Körper erlebt:
Dem Gehirn fehlt die Sicherheit. Und ein unsicheres Gehirn sucht Schutz.

Bei mir zeigte sich das sehr deutlich im oberen und unteren Rücken. Es fühlte sich an, als würde mein Körper diese Bereiche regelrecht abschnüren. Nach dem inneren Motto:
Was sich nur unter Schmerzen bewegt, bleibt wenigstens kontrollierbar – und damit sicher.

Mein PI-Wert war im Keller.
Wer meinen Vagusnerv-Kurs kennt, weiß, was das bedeutet.

Und genau hier liegt ein weit verbreiteter Irrtum.


Entspannung wäre in diesem Zustand der falsche Weg gewesen

In dieser Phase Entspannungsübungen, Dehnung oder „locker lassen“ zu wollen, hätte mein System nicht reguliert, sondern weiter verunsichert.

Ein unsicheres Gehirn kann nicht loslassen.
Es will nicht loslassen.
Loslassen fühlt sich dann nicht wie Erleichterung an – sondern wie Kontrollverlust.

Deshalb arbeite ich aktuell ganz bewusst nicht mit Entspannung, sondern mit minimalen, sehr gezielten Übungen, die meinem Nervensystem vor allem eines geben: Sicherheit.

Und erst jetzt – ganz langsam – beginnt sich etwas zu verändern.
Der Bewegungsumfang wird größer.
Der Körper lässt minimal nach.
Nicht, weil ich ihn dazu zwinge – sondern weil er es wieder darf.

Ich bin auf dem Weg, meinem Körper wieder mehr Entspannung und Vagusnerv-Stimulation zumuten zu dürfen.
Und genau dieses Dürfen ist entscheidend.


Der Mythos: Entspannung hilft immer

Vielleicht kennst du diesen Moment:
Du setzt dich hin, willst zur Ruhe kommen, atmest bewusst ein und aus –
und plötzlich fühlt sich alles schlechter an.

Der Kopf wird benommen.
Der Körper schwer.
Etwas stimmt nicht.

Und dann kommt der Gedanke:
Mit mir stimmt etwas nicht. Entspannung sollte doch helfen.

Aber genau hier liegt der Irrtum.

Unser Körper strebt nicht automatisch nach Entspannung.
Er strebt nach Sicherheit.

Nur wenn das Nervensystem sich sicher fühlt, kann es loslassen.
Fehlt diese Sicherheit, wird Ruhe schnell bedrohlich.
Dann ist Stillwerden kein Ankommen – sondern ein Wegdriften.

Manche Menschen sind nicht „zu angespannt“.
Sie sind innerlich bereits sehr weit unten.

Sie funktionieren.
Sie halten durch.
Aber sie fühlen sich nicht wirklich da.

Und wenn sie dann „noch mehr entspannen“ sollen, sackt das System weiter ab – statt sich zu stabilisieren.

Der Körper meldet sich dann leise:
mit Schwindel,
mit Leere,
mit dem Gefühl, nicht richtig im eigenen Körper zu sein.

Nicht, weil er sich wehrt.
Sondern weil er Schutz sucht.


Was dann wirklich hilft

In solchen Momenten hilft kein weiteres Loslassen.

Was hilft, ist:

  • Orientierung

  • Halt

  • das Gefühl: Ich bin hier. Jetzt. Und ich bin sicher.

Manchmal bedeutet das, sich aufzurichten.
Den Boden unter den Füßen zu spüren.
Den Raum wahrzunehmen.
In Kontakt zu kommen – mit sich selbst und mit der Welt außen.


Erst wenn diese Sicherheit wieder da ist, kann Entspannung entstehen.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, deren Nervensystem ständig unter Strom steht – wachsam, angespannt, auf Empfang.
Für sie kann Entspannung ein Geschenk sein.
Ein erstes Durchatmen.

Aber auch hier gilt: nicht grenzenlos.
Denn selbst Ruhe braucht ein Maß.


Das Nervensystem kennt kein „immer“

Es kennt nur jetzt.

Gesund ist nicht der Zustand permanenter Entspannung.
Gesund ist die Fähigkeit, wechseln zu können:

zwischen Aktivität und Ruhe
zwischen Spannung und Entlastung
zwischen innen und außen

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis:
Es geht nicht darum, sich immer weiter zu beruhigen.
Sondern darum, dem Körper zuzuhören.

Und manchmal sagt er eben nicht:
„Bitte entspann dich.“

Sondern:
„Bitte halt mich. Gib mir Stabilität. Lass mich wieder ankommen.“


Genau hier setzt mein Vagusnerv-Kurs an

Diese Erfahrung war auch der Anlass, meinen Kurs „Vagusnervstimulation“ noch einmal zu überarbeiten und zu vertiefen.

Nicht mit dem Ziel, dich möglichst schnell zu entspannen –
sondern mit der Frage:

Was braucht dein Nervensystem gerade wirklich?

Im Kurs lernst du:

  • unterschiedliche Zustände deines Nervensystems zu erkennen

  • einzuordnen, wann beruhigende Impulse sinnvoll sind

  • wann Stabilisierung wichtiger ist

  • und wann Aktivierung der bessere Weg sein kann

Nicht nach Schema F.
Sondern angepasst an dich und deinen Körper.

Denn echte Regulation entsteht nicht durch mehr Übungen.
Sondern durch das richtige Maß zur richtigen Zeit.


Kleine Impulse für den Alltag

Manchmal braucht es keine großen Konzepte.
Sondern kleine Erinnerungen.
Sanfte Impulse.
Worte, die einordnen – statt zu überfordern.

In meinem WhatsApp-Kanal teile ich regelmäßig kurze Gedanken, alltagstaugliche Übungen und Hinweise für ein nervensystemfreundliches Leben – ruhig, klar und ohne Druck.

Auf Instagram nehme ich dich mit in die praktische Seite der neurozentrierten Arbeit: kleine Erklärungen, Reflexionen und Impulse, die helfen, das eigene Nervensystem besser zu verstehen.

Wenn du magst, begleite ich dich dort ein Stück auf deinem Weg.

👉 Zum WhatsApp-Kanal (neuro.entspannt)


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Mittwoch, 19. November 2025

🧩 „Give me a break!“ – Warum kurze Pausen unsere Leistungsfähigkeit steigern

 


                                                                            Canva


Wer kennt das nicht: Der Kopf raucht, die Schultern verspannen sich, und trotzdem „zieht man durch“.

Doch immer mehr Studien zeigen, dass Mini-Pausen, oft nur wenige Minuten lang, genau in diesen Momenten entscheidend sind – nicht nur für unsere Konzentration, sondern auch für das Wohlbefinden.

Eine aktuelle Meta-Analyse von Albulescu und Kolleg:innen (2022) hat diesen Effekt systematisch untersucht.


🔍 Was sind Micro-Breaks überhaupt?

Als „Micro-Breaks“ gelten kurze Unterbrechungen der Arbeit von wenigen Sekunden bis maximal 10 Minuten.
Sie können aktiv (Bewegung, Dehnen, Blick in die Ferne) oder passiv (Augen schließen, Atemfokus, kurzes Gespräch) gestaltet sein.

Ziel ist es, die physiologische und mentale Belastung zu unterbrechen – bevor Erschöpfung entsteht.


📊 Was zeigt die Forschung?

Albulescu et al. analysierten in ihrer Übersichtsarbeit 22 Studien mit über 2 000 Teilnehmenden.
Die Ergebnisse:

  • Micro-Breaks steigern das Wohlbefinden signifikant – Teilnehmende fühlten sich nach kurzen Pausen erholter, motivierter und weniger erschöpft.

  • Die Leistung profitierte vor allem bei einfachen oder routinierten Aufgaben.

  • Bei sehr komplexen oder kreativen Tätigkeiten zeigte sich kein klarer Leistungsvorteil – hier scheint die Qualität der Pause wichtiger zu sein als die Länge.

Quelle: Albulescu P et al. (2022). “Give me a break!” A systematic review and meta-analysis on the efficacy of micro-breaks for increasing well-being and performance. PLoS ONE 17(8): e0272460.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0272460

 

🧠 Was passiert im Nervensystem?

Aus neurophysiologischer Sicht wirken Micro-Breaks wie ein „Reset“ für das Gehirn.
Kurze Pausen aktivieren Netzwerke, die mit Selbstwahrnehmung, innerer Regulation und Vagusnerv-Aktivität zusammenhängen.
Dadurch können sich Atemrhythmus, Herzfrequenz und Aufmerksamkeit wieder stabilisieren.

Ein paar Sekunden bewusste Atmung oder ein Blickwechsel weg vom Bildschirm in die Ferne können bereits genügen, um das parasympathische System zu reaktivieren – also jenen Anteil, der für Regeneration und Balance sorgt. Eine Smartphone-Pause zählt natürlich nicht hierzu!


⚖️ Was bedeutet das für den Alltag?

  • Plane Micro-Breaks bewusst ein – z. B. alle 45–60 Minuten.

  • Wähle Pausenformen, die dein Nervensystem ansprechen: Dehnung, Atmung, Augentraining, kurze Bewegung.

  • Lieber mehrere kurze als seltene lange Pausen.

Kleine Unterbrechungen sind keine Zeitverschwendung – sie sind die Voraussetzung dafür, dass das Gehirn leistungsfähig bleibt.


💬 Mein Fazit

Die Meta-Analyse zeigt eindrucksvoll, dass selbst kleinste Pausen nachhaltige Wirkung haben können.
Sie helfen, mentale Erschöpfung zu vermeiden, die Stimmung zu stabilisieren und die Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Oder mit anderen Worten:
👉 Regeneration beginnt nicht erst nach der Arbeit – sie entsteht in den kleinen Momenten dazwischen.


🧘‍♀️ In meinen Workshops

In meinen Workshops zur neurozentrierten Regeneration zeige ich, wie Micro-Breaks gezielt eingesetzt werden können, um das Nervensystem zu regulieren.
Neben Atem- und Bewegungsübungen geht es auch darum, wie sich über visuelle oder vestibuläre Reize kleine Pausen mit großer Wirkung gestalten lassen.

Samstag, 28. Juni 2025

Wer hat eigentlich den Begriff „Stress“ erfunden?

Bild erstellt mit KI


Wenn du mit einer chronischen Erkrankung lebst, kennst du es wahrscheinlich gut:

Stress macht alles schlimmer. Der Bauch rebelliert, der Schlaf wird unruhig, die Schmerzen nehmen zu. Aber woher kommt dieser Begriff eigentlich – und was steckt wirklich dahinter?

Wir reisen zurück in die 1930er Jahre. Die Medizin versteht inzwischen: Um Krankheiten wirksam zu behandeln, muss man genau hinschauen. Jedes Symptom zählt. Jede Diagnose braucht einen klaren Auslöser – ein Bakterium, ein Virus, eine Verletzung.

Doch dann taucht ein junger Mann auf, der das alles etwas anders sieht:
Hans Selye, ein österreichischer Medizinstudent, der nach Kanada ausgewandert ist. Und er stellt sich eine einfache, aber tiefgreifende Frage:

Was ist Krankheit eigentlich?

Er beobachtet:
Ja, viele Krankheiten entstehen durch konkrete Ursachen. Aber es gibt auch viele Beschwerden, die sich nicht so leicht erklären lassen. Besonders in Kriegszeiten zum Beispiel häufen sich Erkrankungen – obwohl keine „klassische“ Ursache zu erkennen ist.

Selye erkennt:
Es gibt einen unsichtbaren Einfluss, der den Körper aus dem Gleichgewicht bringt.
Etwas, das man nicht direkt sehen oder messen kann – das aber sehr reale Auswirkungen hat.

Ein schönes Bild dazu stammt von Schriftsteller Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“):

„Wer hat den Wind gesehen?
Weder du noch ich.
Doch wenn die Bäume ihre Wipfel neigen,
dann weht der Wind.“

Genauso verhält es sich mit dem, was Selye entdeckte:
Etwas Unsichtbares bringt den Körper in Bewegung – oder eben aus dem Gleichgewicht.
Er nennt es:

👉 Stress (aus dem Englischen für „Spannung“)
Das, was diesen Stress auslöst, nennt er: Stressor

Diese Begriffe waren damals völlig neu – und sie haben seitdem ihren Weg in alle Sprachen gefunden. Selyes Erkenntnis war bahnbrechend.

Er folgerte auch:
Wenn wir die Menge an Stress im Körper reduzieren, kann das helfen, Krankheiten zu lindern – oder sogar vorzubeugen.
Denn kein Bereich des Körpers sollte dauerhaft überfordert werden – irgendwann zeigt er es uns.

Was bedeutet das für dich?

Stress gab es schon immer. Aber erst seit Hans Selye hat er einen Namen – und mit dem Namen kam auch die Erkenntnis, wie wichtig der Umgang damit ist.

Gerade bei chronischen Erkrankungen ist es entscheidend, dem Körper regelmäßig Erholung, Entspannung und Sicherheit zu geben.

Die gute Nachricht:
Du kannst deinem Nervensystem helfen, wieder in Balance zu kommen – z. B. durch Entspannungsverfahren oder gezielte Vagusnerv-Stimulation.

Wenn du spüren willst, wie sich weniger innerer Druck anfühlen kann:
👉 Schau in meinen Kurskalender!
Dort findest du Workshops, in denen du alltagstaugliche Methoden lernst, um deinen Körper zu stärken und deine Gesundheit zu unterstützen.

Freitag, 2. Mai 2025

Ein Admiral kennt keinen Schmerz? Oh doch!


               Bild erstellt mit KI

Ein sehr prominenter Schmerzpatient in der Geschichte war Lord Nelson. Er gilt als der bedeutendste Offizier in der Geschichte der Royal Navy und als britischer Nationalheld. Er litt lange Zeit unter Schmerzen. Heute könnte man ihm helfen.

Aber von Anfang an: 1797 führte Nelson einen Überraschungsangriff auf eine spanische Insel durch, um dort Schatzschiffe zu erbeuten. Die Briten landeten mit Ruderbooten im Hafen, um dann den Hauptplatz der Stadt zu stürmen. Die Spanier waren jedoch vorbereitet und eröffneten mit Kanonen und Musketen das Feuer. Nelson wurde am Ellenbogen getroffen! Der Schiffsarzt musste seinen Arm komplett bis zur Schulter amputieren. Historische Quellen belegen, dass Lord Nelson bereits eine halbe Stunde nach diesem Eingriff seiner Arbeit wieder nachging und Kommandos erteilte. 

So gut er diesen Eingriff auch überstanden hatte, so quälten ihn fortan Schmerzen: Schmerzen im amputierten Arm! Schmerzen in einem Arm, der nicht mehr existierte! Wie war das möglich? Damals ging man davon aus, dass es die Seele wäre, die den Schmerz verursacht, heute wissen wir es besser.

Schmerzen entstehen nie im Körper, sie entstehen immer im Gehirn!

Näheres dazu kannst du hier nachlesen (die Geschichte mit dem Koch und dem Star-Pianisten):

https://mehr-entspannung-weniger-schmerz.blogspot.com/2025/04/die-sache-mit-dem-koch-und-dem-star.html

Dennoch: Warum sollte das Gehirn in einem nicht vorhandenen Arm Schmerzen veranlassen?

Das liegt am Homunculus, eine Art Landkarte, die unseren kompletten Körper im Gehirn abbildet. Und genau dort befand sich noch immer der amputierte Arm von Lord Nelson. Da der Arm in Wirklichkeit aber nicht mehr existierte, erhielt der Bereich des Arms im Homunculus keine Informationen mehr. Die Folge: Das Gehirn sah hierin eine Gefahr und musste Lord Nelson unbedingt darauf hinweisen, dass etwas nicht stimmt. Der Output des Gehirns bestand in Schmerzen im nicht mehr vorhandenen Arm.

Heute wissen wir, dass es sich um Phantomschmerzen handelte. Diese kann man mit einem Trick beheben. Man gaukelt dem Gehirn einfach vor, dass der nicht vorhandene Arm noch existent wäre, indem man sich an einen Spiegel setzt, den vorhandenen Arm bewegt und sich diesen im Spiegel ansieht. Für das Gehirn wirkt es so, als wäre der nicht vorhandene Arm noch da und würde sich bewegen. Das teilt das visuelle System dem Gehirn mit. Demnach ist die Gefahr vorbei und der Schmerz lässt nach. 

Dieses Verfahren nennt man Spiegeltherapie. Im neurozentrierten Training wird sie auch außerhalb von Phantomschmerzen angewendet. Der Trick kann nämlich auch bei Schmerzen beispielsweise in Händen, Armen, Beinen und Füßen wirken!


Der Star aller Hirnnerven: der Vagusnerv

                                                                                                Canva Du bist erschöpft, aber kannst nicht a...