Atmen wir nicht alle automatisch?
Die Atmung begleitet uns vom ersten bis zum letzten Lebenstag. Meist läuft sie ganz automatisch ab – und genau deshalb schenken wir ihr oft kaum Beachtung.
Doch bei chronischen Schmerzen kann sich das Atemmuster verändern, ohne dass wir es bewusst bemerken. Viele Menschen halten in schmerzhaften Momenten unbewusst die Luft an, atmen flacher oder verspannen Brustkorb, Schultern und Bauch.
Diese Veränderungen sind zunächst eine normale Schutzreaktion des Körpers. Bleiben sie jedoch über längere Zeit bestehen, können sie das Nervensystem zusätzlich belasten.
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Die Atmung ist eng mit dem Nervensystem verbunden
Unsere Atmung dient nicht nur der Sauerstoffversorgung. Sie steht in enger Verbindung mit dem autonomen Nervensystem.
Jeder Atemzug liefert dem Gehirn Informationen darüber, wie sicher oder belastend eine Situation möglicherweise ist.
Deshalb kann sich eine angespannte oder sehr flache Atmung auf verschiedene Bereiche auswirken:
die Muskelspannung kann zunehmen,
Bewegungen können sich anstrengender anfühlen,
der Körper kann schneller in einen Schutzmodus wechseln,
Schmerzen können intensiver wahrgenommen werden.
Das bedeutet nicht, dass die Atmung allein Schmerzen verursacht. Sie ist jedoch ein Baustein innerhalb eines komplexen Systems aus Nervensystem, Gehirn, Bewegung und Körperwahrnehmung.
Wahrnehmen statt kontrollieren
Viele Menschen glauben, sie müssten nur „richtig atmen“, damit die Beschwerden verschwinden.
So einfach ist es meist nicht.
Der erste Schritt besteht häufig darin, die eigene Atmung überhaupt wahrzunehmen.
Atme ich eher in den Brustkorb oder bis in den Bauch?
Halte ich bei bestimmten Bewegungen unbewusst die Luft an?
Wird meine Atmung flacher, wenn die Schmerzen zunehmen?
Kann ich meinen Atem beobachten, ohne ihn sofort verändern zu wollen?
Allein diese Beobachtung liefert oft wertvolle Hinweise darauf, wie das Nervensystem gerade arbeitet.
Atmung und Bewegung gehören zusammen
Jede Bewegung verändert unsere Atmung – und jede Veränderung der Atmung beeinflusst wiederum die Bewegung.
Wenn der Brustkorb wenig beweglich ist oder die Atmung dauerhaft angespannt bleibt, kann sich das auf den gesamten Körper auswirken.
Deshalb beziehen wir in der neurozentrierten Arbeit die Atmung häufig mit ein. Nicht als starre Technik, sondern als Möglichkeit, dem Gehirn neue Informationen über Sicherheit, Bewegung und Regulation zu geben.
Nicht jede Atemübung passt zu jedem Menschen
Ein wichtiger Grundsatz meiner Arbeit lautet:
Nicht jede Übung ist automatisch hilfreich.
Auch Atemübungen sollten individuell überprüft werden. Fühlt sich der Körper anschließend ruhiger an? Wird eine Bewegung leichter? Verändert sich die Körperwahrnehmung positiv?
Nur wenn das Nervensystem gut auf einen Impuls reagiert, sollte er regelmäßig angewendet werden.
Du entscheidest, was dir guttut.
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Fazit: Jeder Atemzug liefert Informationen
Die Atmung ist weit mehr als ein automatischer Vorgang. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation zwischen Körper und Gehirn.
Wer lernt, die eigene Atmung bewusst wahrzunehmen, gewinnt häufig einen neuen Zugang zum eigenen Körper. Das ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber ein wertvoller Baustein sein, um Schmerzen besser zu regulieren und Bewegung wieder mit mehr Sicherheit zu erleben.
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