Meine eigene Erfahrung: Wenn Bewegung plötzlich eine Herausforderung wird
Gerade erst habe ich auf meiner England-Reise wieder ganz praktisch erlebt, wie komplex der Zusammenhang zwischen Bewegung, Belastung und Schmerzen sein kann.
Viele Kilometer zu Fuß, neue Wege, Treppen, wechselnder Untergrund und ungewohnte Belastungen – all das war für meinen Körper eine große Herausforderung. Während der Reise gab es Momente, in denen ich mich gefragt habe: War das jetzt zu viel? Habe ich meinem Körper geschadet?
Doch genau hier liegt ein wichtiger Unterschied: Eine Reaktion des Körpers bedeutet nicht automatisch, dass etwas kaputtgegangen ist.
Nach meiner Rückkehr durfte ich wieder beobachten, wie wichtig die richtige Balance aus Belastung, Erholung und Regulation ist. Diese Erfahrung hat mir noch einmal gezeigt, warum es bei chronischen Beschwerden so wichtig ist, den Körper nicht nur zu fordern, sondern seine Signale richtig zu verstehen.
Einen ausführlicheren Einblick in meine Erfahrungen auf dieser Reise findest du auch in meinem Artikel „Ausgerechnet im Urlaub hatte ich 2 Schmerzschübe und eine Migräne-Attacke."
Bewegung tut gut – aber warum geht es mir danach schlechter?
„Ich weiß, dass Bewegung wichtig ist. Aber jedes Mal, wenn ich etwas mache, habe ich danach mehr Schmerzen.“
Diesen Satz sagen viele Menschen mit chronischen Beschwerden. Eigentlich möchte der Körper sich bewegen, aktiv sein und Kraft aufbauen. Gleichzeitig folgt auf Bewegung häufig ein Rückschlag: mehr Schmerzen, Erschöpfung oder das Gefühl, wieder mehrere Schritte zurückgeworfen worden zu sein.
Doch was passiert dabei eigentlich im Körper?
Die Antwort ist nicht immer: „Du hast etwas falsch gemacht.“ Oft geht es darum, besser zu verstehen, wie das Nervensystem Belastung bewertet und verarbeitet.
Schmerzen nach Bewegung bedeuten nicht automatisch Schaden
Bei akuten Verletzungen ist Schmerz häufig ein wichtiges Warnsignal. Bei chronischen Schmerzen ist die Situation komplexer.
Das Nervensystem lernt ständig dazu. Es bewertet Bewegungen, Belastungen und Körperempfindungen und entscheidet, ob etwas als sicher oder als Gefahr eingestuft wird.
Wenn ein Nervensystem über längere Zeit empfindlicher geworden ist, können normale Belastungen stärker wahrgenommen werden. Eine Bewegung, die früher problemlos möglich war, kann plötzlich als Bedrohung interpretiert werden.
Das bedeutet nicht, dass der Schmerz „eingebildet“ ist. Die Wahrnehmung ist real. Aber die Verarbeitung im Nervensystem kann verändert sein.
Der Körper braucht die richtige Dosis Belastung
Eine häufige Herausforderung bei chronischen Schmerzen ist die richtige Dosierung.
Manche Menschen vermeiden Bewegung aus Angst vor Schmerzen. Andere versuchen an guten Tagen, möglichst viel nachzuholen – und erleben anschließend eine deutliche Verschlechterung.
Beides kann das Nervensystem vor Herausforderungen stellen.
Ein wichtiger Ansatz ist deshalb nicht „mehr“ oder „weniger“, sondern:
Welche Belastung kann mein Körper aktuell gut verarbeiten?
Das Nervensystem braucht positive Erfahrungen mit Bewegung. Es muss wieder lernen: Bewegung kann sicher sein.
Warum der Rückschlag oft zeitverzögert kommt
Viele kennen das Phänomen:
Während der Bewegung geht es erstaunlich gut – aber einige Stunden später oder am nächsten Tag kommen die Beschwerden.
Das kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel:
Die Belastung war für den aktuellen Zustand des Nervensystems zu hoch.
Der Körper hat während der Aktivität viele Ressourcen mobilisiert.
Erholung und Regulation konnten anschließend nicht ausreichend stattfinden.
Alte Schutzmuster des Nervensystems wurden aktiviert.
Deshalb ist es hilfreich, nicht nur die Bewegung selbst zu betrachten, sondern die Reaktion danach.
Belastung neu verstehen: Das Nervensystem entscheidet mit
In der neurozentrierten Arbeit geht es darum, den Körper nicht gegen seine Signale zu trainieren, sondern besser mit ihm zusammenzuarbeiten.
Dabei können Fragen helfen:
Wie reagiert mein Körper direkt auf eine Übung?
Fühlt sich eine Bewegung leichter oder sicherer an?
Verändert sich meine Wahrnehmung?
Wie geht es mir einige Stunden später?
Nicht jede Übung ist für jeden Menschen geeignet. Eine Bewegung sollte nicht einfach wiederholt werden, nur weil sie allgemein als „gut“ gilt. Entscheidend ist immer die individuelle Reaktion des eigenen Nervensystems.
Du entscheidest, was dir guttut.
Belastung ohne Rückschlag – Schmerzen nach Bewegung besser verstehen
Genau darum geht es in meinem Workshop:
„Belastung ohne Rückschlag – Schmerzen nach Bewegung besser verstehen“
Wir schauen uns an, warum Schmerzen nach Belastung entstehen können und wie du deinen Körper besser einschätzen lernst.
Dabei geht es nicht darum, Schmerzen zu ignorieren oder den Körper zu überfordern. Es geht darum, ein besseres Verständnis für Belastungsgrenzen zu entwickeln und neue Wege im Umgang mit Bewegung zu finden.
Den Workshop findest du im Kursheft.
Fazit: Bewegung darf wieder Vertrauen schaffen
Bei chronischen Schmerzen ist Bewegung oft ein wichtiger Baustein – aber der Weg dorthin braucht manchmal eine andere Herangehensweise.
Nicht jede Verschlechterung bedeutet, dass Bewegung falsch war. Manchmal zeigt sie, dass die Belastung, die Dosierung oder die Regulation angepasst werden müssen.
Wer die Sprache des eigenen Nervensystems besser versteht, kann Schritt für Schritt wieder mehr Sicherheit im eigenen Körper entwickeln.
Du entscheidest, was dir guttut.
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