Zwischen Schonung und Überforderung:
„Ich bewege mich lieber gar nicht mehr – sonst werden die Schmerzen schlimmer.“
Oder genau das Gegenteil:
„Heute geht es mir gut. Jetzt hole ich alles nach.“
Beide Strategien begegnen mir immer wieder in der Arbeit mit Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Beide sind verständlich – und beide können dazu führen, dass das Nervensystem immer wieder in einen Schutzmodus gerät.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie viel Bewegung ist richtig?
Sondern:
Welche Belastung kann dein Körper heute gut verarbeiten?
Mehr ist nicht immer besser
Bei chronischen Schmerzen geht es selten darum, möglichst viel zu leisten.
Das Nervensystem bewertet jede Belastung. Es entscheidet mit, ob eine Bewegung als sicher oder als potenzielle Gefahr eingeordnet wird.
Ist die Belastung deutlich höher, als das Nervensystem aktuell gut verarbeiten kann, können die Beschwerden anschließend zunehmen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Schaden entstanden ist. Häufig zeigt der Körper vielmehr, dass die Belastung für den aktuellen Zeitpunkt zu hoch war.
Zu wenig Belastung ist ebenfalls keine Lösung
Aus Angst vor Schmerzen vermeiden viele Betroffene zunehmend Bewegung.
Kurzfristig kann sich das sicher anfühlen. Langfristig fehlen dem Gehirn jedoch wichtige Informationen über Bewegung, Belastbarkeit und Sicherheit.
Das Ziel ist deshalb weder völlige Schonung noch ständiges Überschreiten der eigenen Grenzen.
Es geht darum, einen Bereich zu finden, in dem sich das Nervensystem sicher genug fühlt, um neue positive Bewegungserfahrungen zu sammeln.
Das Nervensystem lernt mit jeder Bewegung
Jede Bewegung liefert dem Gehirn neue Informationen.
Fühlte sich die Bewegung sicher an?
War sie gut kontrollierbar?
Konnte der Körper die Belastung gut verarbeiten?
Wie ging es dir direkt danach – und einige Stunden später?
Diese Rückmeldungen helfen dabei, das persönliche Belastungsmaß besser einzuschätzen.
Die richtige Dosierung ist individuell
Es gibt keine allgemeingültige Belastungsgrenze.
Was für einen Menschen genau richtig ist, kann für einen anderen bereits zu viel oder zu wenig sein.
Deshalb arbeite ich neurozentriert:
Wir beobachten, wie dein Nervensystem auf unterschiedliche Reize reagiert. Nicht die Übung selbst steht im Mittelpunkt, sondern ihre Wirkung.
Wird eine Bewegung leichter? Fühlt sie sich sicherer an? Verändert sich die Körperwahrnehmung positiv?
Nur wenn das Nervensystem gut reagiert, lohnt es sich, eine Übung regelmäßig in den Alltag zu integrieren.
Du entscheidest, was dir guttut.
Erholung gehört zur Belastung dazu
Belastbarkeit entsteht nicht nur durch Training, sondern auch durch ausreichende Erholung.
Das Nervensystem braucht Zeit, um neue Erfahrungen zu verarbeiten. Deshalb sind Pausen kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Bestandteil jeder erfolgreichen Belastungssteuerung.
Wer Belastung und Erholung in ein gutes Gleichgewicht bringt, schafft oft die besten Voraussetzungen für eine langfristige Verbesserung.
Workshop: Belastung ohne Rückschlag – Schmerzen nach Bewegung besser verstehen
Genau darum geht es in meinem Workshop „Belastung ohne Rückschlag – Schmerzen nach Bewegung besser verstehen“.
Du erfährst, warum Beschwerden nach Bewegung entstehen können, wie das Nervensystem Belastungen bewertet und wie du dein persönliches Belastungsmaß besser einschätzen lernst.
Statt nach starren Trainingsplänen vorzugehen, lernst du, die Signale deines Körpers besser zu verstehen und Belastungen individuell anzupassen.
Den Workshop findest du im Kursheft.
Kleine 2-Minuten-Workouts, Entspannung, praktische Impulse und Hintergrundwissen erwarten dich als Mitglied im kostenlosen WhatsApp-Kanal neuro.entspannt.
Fazit: Die richtige Belastung stärkt Vertrauen
Bei chronischen Schmerzen ist nicht nur entscheidend, dass du dich bewegst, sondern wie du dich bewegst und wie dein Nervensystem diese Belastung verarbeitet.
Das richtige Belastungsmaß kann helfen, neue positive Bewegungserfahrungen zu sammeln und das Vertrauen in den eigenen Körper Schritt für Schritt wieder aufzubauen.
Denn Fortschritt entsteht nicht durch ständiges Überschreiten der eigenen Grenzen – sondern durch eine Belastung, die zu dir und deinem Nervensystem passt.
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