Wenn der Rücken schmerzt, lohnt sich ein Blick über die Wirbelsäule hinaus.
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates. Häufig wird zunächst nach einer körperlichen Ursache direkt im Rücken gesucht: Bandscheiben, Gelenke, Muskeln, Wirbelsäule oder Bewegungseinschränkungen stehen im Mittelpunkt.
Natürlich können diese Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen lohnt sich jedoch ein zusätzlicher Blick: auf das Nervensystem und darauf, wie das Gehirn den Rücken wahrnimmt, steuert und auf Belastungen reagiert.
Denn Schmerz entsteht nicht allein dort, wo er empfunden wird. Das Gehirn verarbeitet ständig Informationen aus dem Körper und entscheidet auf dieser Grundlage mit, wie eine Situation eingeschätzt und welche Reaktion ausgelöst wird.
Der Rücken braucht eine gute Verbindung zum Gehirn
Damit unser Gehirn Bewegungen präzise steuern kann, benötigt es möglichst genaue Informationen aus dem Körper.
Ein wichtiger Bereich dabei ist die sogenannte Sensorik.
Wo befindet sich der Rücken gerade im Raum? Wie bewegt sich die Wirbelsäule? Welche Spannung ist vorhanden? Wie fühlt sich eine bestimmte Bewegung an?
Unser Körper liefert dem Gehirn ständig solche Informationen. Sie helfen dabei, Bewegungen zu planen, anzupassen und gegebenenfalls Schutzreaktionen einzuleiten.
Bei chronischen Schmerzen kann diese Verarbeitung verändert sein. Bewegungen können sich unsicher, anstrengend oder bedrohlich anfühlen. Das kann wiederum dazu führen, dass der Körper mehr Spannung aufbaut oder bestimmte Bewegungen vermeidet.
Das bedeutet nicht, dass der Schmerz „nur im Kopf“ entsteht.
Es bedeutet vielmehr:
Das Gehirn und das Nervensystem sind daran beteiligt, wie Schmerz und Bewegung verarbeitet werden.
In der neurozentrierten Arbeit geht es deshalb unter anderem darum, die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper gezielt anzusprechen.
Welche Systeme können bei Rückenschmerzen eine Rolle spielen?
Bei chronischen Rückenschmerzen können verschiedene Bereiche des Nervensystems betrachtet werden.
Die Sensorik
Über gezielte sensorische Reize wird überprüft, wie das Nervensystem auf unterschiedliche Informationen reagiert.
Dabei kann beispielsweise die Wahrnehmung von Bewegung, Druck, Berührung oder Körperposition eine Rolle spielen.
Entscheidend ist nicht, eine Übung einfach möglichst oft zu wiederholen. Viel interessanter ist die Frage:
Verändert sich etwas positiv?
Wird eine Bewegung leichter? Verändert sich die Beweglichkeit? Nimmt die Spannung ab? Verändert sich das Schmerzempfinden?
Eine Übung sollte vor allem dann regelmäßig eingesetzt werden, wenn das Nervensystem darauf positiv reagiert.
Mobilisation und Bewegung
Bei Rückenschmerzen entsteht schnell die Vorstellung, dass bestimmte Bewegungen vermieden werden müssen.
Bei chronischen Beschwerden kann jedoch auch zu wenig oder zu einseitige Bewegung problematisch sein. Der Körper benötigt Bewegung und wechselnde sensorische Informationen, um seine Möglichkeiten immer wieder zu erfahren.
Dabei geht es nicht darum, den Rücken zu „überreden“ oder Schmerzen zu ignorieren.
Vielmehr kann es sinnvoll sein, Bewegungen in einer gut tolerierbaren Dosierung zu erkunden und anschließend zu überprüfen:
Wie reagiert mein Körper darauf?
So kann Bewegung wieder zu einer positiven Information für das Nervensystem werden.
Die Atmung
Rücken und Atmung sind enger miteinander verbunden, als viele Menschen zunächst vermuten.
Das Zwerchfell ist ein wichtiger Atemmuskel und gleichzeitig Teil des Rumpfsystems. Die Atembewegung steht in Verbindung mit Bewegungen und Spannungsverhältnissen im gesamten Rumpf.
Bei Schmerzen verändern sich häufig auch Atemmuster. Manche Menschen atmen flacher oder halten bei bestimmten Bewegungen unbewusst den Atem an.
Deshalb kann es sinnvoll sein, auch die Atmung in die Betrachtung einzubeziehen.
Nicht mit dem Ziel, eine „perfekte“ Atmung zu erreichen.
Sondern um herauszufinden:
Verändert eine andere Atemstrategie meine Bewegung, Spannung oder mein Schmerzempfinden?
Das visuelle System
Auch die Augen können bei Rückenbeschwerden interessant sein.
Das visuelle System liefert dem Gehirn ständig Informationen über Orientierung und Bewegung im Raum. Diese Informationen werden unter anderem für Haltung und Bewegungssteuerung genutzt.
Deshalb können bestimmte visuelle Reize bei manchen Menschen auch die Wahrnehmung oder Ausführung einer Bewegung verändern.
Wie bei allen neurozentrierten Übungen gilt:
Nicht die Theorie entscheidet, sondern die Reaktion des eigenen Körpers.
Das Gleichgewichtssystem
Auch das Gleichgewichtssystem liefert wichtige Informationen darüber, wie wir uns im Raum befinden und bewegen.
Es arbeitet eng mit anderen sensorischen Systemen zusammen, unter anderem mit dem Sehen und der Körperwahrnehmung.
Bei chronischen Rückenschmerzen kann es deshalb interessant sein, nicht nur den Rücken selbst zu betrachten, sondern das Zusammenspiel verschiedener Systeme, die an Haltung und Bewegung beteiligt sind.
Schlaf und Regeneration
Auch Schlaf gehört zur Betrachtung chronischer Schmerzen.
Schlechter oder zu wenig Schlaf kann die Schmerzverarbeitung und die Fähigkeit des Nervensystems zur Regulation beeinflussen. Gleichzeitig können Schmerzen den Schlaf erschweren.
So kann ein Kreislauf entstehen:
Schmerzen → schlechter Schlaf → weniger Regeneration → höhere Empfindlichkeit → mehr Schmerzen
Deshalb gehört bei chronischen Rückenschmerzen manchmal auch die Frage dazu:
Wie gut kann mein Körper eigentlich noch regenerieren?
Nicht jede Übung ist für jeden Menschen geeignet
Ein wichtiger Grundsatz meiner Arbeit ist die individuelle Überprüfung.
Auch wenn eine Übung bei einer Person hilfreich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie bei jedem Menschen die gleiche Wirkung hat.
Das Nervensystem jedes Menschen verarbeitet Reize unterschiedlich.
Deshalb arbeite ich gerne mit dem Test-Re-Test-Prinzip:
Test: Wie fühlt sich eine Bewegung oder ein bestimmter Bereich gerade an?
Übung: Wir geben dem Nervensystem einen gezielten Reiz.
Retest: Hat sich etwas verändert?
Dabei können ganz unterschiedliche Veränderungen interessant sein:
- Ist die Bewegung leichter?
- Hat sich die Beweglichkeit verändert?
- Ist die Spannung geringer?
- Fühlt sich der Rücken anders an?
- Hat sich das Schmerzempfinden verändert?
- Fühlt sich die Bewegung sicherer an?
Nur weil eine Übung „gut für den Rücken“ sein soll, muss sie nicht automatisch für jeden Menschen hilfreich sein.
Die Reaktion des eigenen Körpers ist entscheidend.
Individuelle Begleitung bei chronischen Rückenschmerzen
Genau hier setzt meine 1:1-Online-Schmerzbegleitung an.
Statt allgemeine Übungen „auf Verdacht“ durchzuführen, betrachten wir die individuelle Situation: Welche Reize verändern deine Beschwerden? Welche Bewegungen sind gut verträglich? Und welche Strategien unterstützen dein Nervensystem?
Dabei können unter anderem Sensorik, Bewegung, Atmung, visuelle Reize und das Gleichgewichtssystem einbezogen werden.
Auch Schlaf und Regeneration können eine wichtige Rolle spielen.
Die individuelle Online-Schmerzbegleitung ist noch bis Ende November 2026 zum Einführungspreis buchbar.
Den Anmelde-Link findest du im Kursheft.
Kostenlose praktische Impulse im WhatsApp-Kanal
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Fazit: Rückenschmerzen brauchen manchmal einen neuen Blickwinkel
Chronische Rückenschmerzen entstehen nicht immer ausschließlich durch ein Problem an der Wirbelsäule oder im umliegenden Gewebe.
Auch das Nervensystem und das Gehirn sind daran beteiligt, wie Bewegungen gesteuert und Schmerzsignale verarbeitet werden.
Das bedeutet nicht, dass körperliche Ursachen unwichtig sind. Es bedeutet vielmehr, dass bei chronischen Beschwerden manchmal mehr als nur der Rücken selbst betrachtet werden sollte.
Sensorik, Bewegung, Atmung, Sehen, Gleichgewicht und Schlaf können Teil dieses größeren Systems sein.
Wer die Verbindung zwischen Gehirn und Körper besser versteht, bekommt neue Möglichkeiten, aktiv mit seinen Beschwerden umzugehen.
Es geht nicht darum, eine vorgegebene Lösung abzuarbeiten.
Es geht darum, herauszufinden, welche Reize deinem Nervensystem guttun – und welche Veränderungen du selbst wahrnehmen kannst.
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